Presseinformation Nr.: 4 - vom 19. Januar 2017

Ein mehr als guter Anfang/ Zwischenfazit der Handwerkskammer Potsdam zu Ausbildung, Qualifizierung und Arbeit von Flüchtlingen und Zugewanderten im westbrandenburgischen Handwerk

Potsdam. Im Rahmen eines gemeinsamen Pressetermins im Zentrum für Gewerbeförderung (ZfG) in Götz berichteten die Handwerkskammer Potsdam und die Agentur für Arbeit Potsdam heute über den Zwischenstand bei Qualifizierung und Arbeit von Flüchtlingen und Zugewanderten im Potsdamer Handwerk.

Das Handwerk hat sehr früh die Chance erkannt, aus Geflüchteten und Zugewanderten Fachkräfte zu entwickeln und bereits 2015 die ersten Maßnahmen abgesteckt, um Flüchtlinge zu qualifizieren und sie als dringend benötigte Mitarbeiter für die Betriebe zu gewinnen. Die Verantwortlichen der Handwerkskammer Potsdam und der Arbeitsagentur Potsdam haben dabei von Anfang an eng zusammengearbeitet.

„Für die Handwerkskammer Potsdam ist die internationale Bildungszusammenarbeit kein Neuland“, unterstreicht der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, Ralph Bührig. „Seit Jahren werden internationale Qualifizierungsprojekte, wie zum Beispiel mit Polen oder Vietnam, umgesetzt. Die Kammer ist für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im Handwerk zuständig und engagiert sich beim Erfahrungsaustausch mit internationalen Partnerorganisationen. Regelmäßig begrüßen wir ausländische Delegationen, die sich mit uns über Ausbildung und Arbeit im brandenburgischen Handwerk austauschen.“

Dank dem Erfahrungsschatz im Umgang mit ausländischen Teilnehmern konnten sich die Handwerkskammer Potsdam und ihr ZfG schnell und effizient auf die neuen Herausforderungen einstellen. Mit den bestehenden Erfahrungen und der notwendigen Sensibilität wurden im vergangenen Jahr in kürzester Zeit eine Vielzahl neuer Aufgaben bei der arbeitsmarktorientierten Betreuung und Qualifizierung von Geflüchteten übernommen.

Wie hoch der Bedarf an Fachkräften ist, zeigte auch eine Blitzumfrage unter 6.000 Handwerksbetrieben des Kammerbezirks: Mehr als die Hälfte der Betriebe, die an der Befragung teilgenommen haben, wünschen sich ausführliche Informationen zur Eingliederung von Flüchtlingen in den Betrieb.

Das Zwischenfazit der Handwerkskammer Potsdam kann sich sehen lassen: Ende 2016 verzeichnete die Handwerkskammer Potsdam etwa 140 registrierte Ausbildungs- und Praktikumsverträge mit Ausländern. Der Beratungs- und Betreuungsaufwand ist noch höher: Seit April 2016 wurden mehr als 140 Flüchtlinge im Rahmen des Projekts „Passgenaue Besetzung Willkommenslotse“ zu Einstiegsqualifizierungen, Praktika, Ausbildung, Arbeit oder Qualifizierung beraten. Darüber hinaus haben über 70 Betriebe die Beratungsleistungen der Handwerkskammer Potsdam zu diesem Thema wahrgenommen und bilden inzwischen einen Betriebspool vor allem in den Bereichen Elektro, Metallbau, Bau, Gebäudereinigung, Friseur oder der Holzbearbeitung.

Besonders erfolgreich verliefen die gemeinsamen Qualifizierungsmaßnahmen mit der Arbeitsagentur Potsdam: Mehr als 90 Flüchtlinge wurden im ZfG qualifiziert. Fast 50 Prozent der Teilnehmer konnten in Anschlussmaßnahmen, Ausbildung, Praktikum oder Arbeit vermittelt werden.

Und auch bei der Berufsorientierung junger berufsschulpflichtiger Geflüchteter im ZfG, die aus verschiedenen Oberstufenzentren der Region kamen, sind die bisherigen Ergebnisse vielversprechend. Von den 60 Teilnehmern, unter ihnen 48 unbegleitete Minderjährige, können sich mehr als 75 Prozent eine berufliche Perspektive im Handwerk vorstellen. „Mit hoher Motivation, Offenheit und Neugier sind die jungen Geflüchteten in die zehntägigen Werkstatttage in vier Berufsfeldern gestartet und haben diese mit Ausdauer und Freude absolviert“, fasst ZfG-Geschäftsführer Tilo Jänsch den Start zusammen.

„Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben uns gezeigt, dass wir mit der engen Verzahnung von Spracherwerb, Kompetenzfeststellung, praktischen Schnupperkursen in Unternehmen und passgenauer Qualifizierung eine Integration in den Arbeitsmarkt befördern können. Die enge Zusammenarbeit, die wir hier seit Monaten mit der Handwerkskammer Potsdam erfolgreich praktizieren, ist ein guter Beleg. Wir freuen uns über die ausgesprochen gute Resonanz aus den Handwerksbetrieben“, unterstreicht Dr. Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam. „Junge Geflüchtete erhalten in unserer Berufsberatung in der Agentur für Arbeit individuelle Unterstützungsleistungen zum Einstieg in den Ausbildungsmarkt. Ziel ist es, die Jugendlichen in Ausbildung zu bringen und ihnen somit den Start in ein eigenverantwortliches Leben zu ermöglichen.“ 

Bei allen positiven Zwischenergebnissen verweist  der Präsident der Handwerkskammer Potsdam, Robert Wüst, aber auch darauf, dass es für die erfolgreiche und dauerhafte Eingliederung der Flüchtlinge noch eines langen Atems bedarf: „Auch wenn sich die Deutschkenntnisse bei unseren Teilnehmern zuletzt verbessert haben, müssen die Angebote für Sprach- und Integrationskurse weiter ausgebaut werden. Ohne Sprachkenntnisse wird es mit Ausbildung oder Arbeit im Handwerk nicht klappen. Auch die zügige Bearbeitung der Asylanträge und die schnelle Statusfeststellung sind und bleiben entscheidende Grundlagen für eine gesicherte Ausbildung oder Beschäftigung.“

Die Aufgabenstellungen für das nun anstehende Jahr sind für die Handwerkskammer umfangreich: „Im Januar und Februar starten die nächsten Maßnahmen im ZfG“, so HWK-Hauptgeschäftsführer Bührig, und er ergänzt: „Die Beratungsanfragen aus unseren Betrieben müssen bewältigt und die Vermittlungspotenziale aus unseren Maßnahmen genutzt werden.“ Bei der Berufsorientierung junger Geflüchteter aus den Oberstufenzentren rechnet die Kammer mit mehr als 500 Teilnehmern, die die zehntägigen Werkstatttage absolvieren werden. Daraus folgend erwartet die Kammer auch bei der Zahl  der in Ausbildung befindlichen Flüchtlinge ab 2017/ 2018 einen weiteren Anstieg.

Für die Handwerksbetriebe, die in Westbrandenburg über die ersten Erfahrungen mit ihren neuen Mitarbeitern verfügen, bleiben die Herausforderungen ebenfalls groß, denn für sie bleibt die Aufgabe, die Flüchtlinge dauerhaft in ihren Unternehmen zu integrieren. Hierfür werden dauerhafte Unterstützungsmaßnahmen notwendig bleiben. Das bestätigten auch die anwesenden Betriebe, wie Thomas Mohr von Treppen-Mohr aus Beetzseeheide, Dennis Krämer und Steffen Sgraja von der Hell-Gebäudetechnik GmbH aus Groß Kreutz, Henry Päch von der ST-Gebäudetechnik GmbH aus Potsdam oder Monika Nowotny vom Hair-Team aus Brandenburg an der Havel.

Über die Handwerkskammer Potsdam

Die Handwerkskammer (HWK) Potsdam ist eine als Körperschaft des öffentlichen Rechts organisierte Selbstverwaltungseinrichtung für die Landkreise Havelland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Prignitz, Teltow-Fläming und die kreisfreien Städte Potsdam und Brandenburg an der Havel. Sie ist die Interessenvertretung von rund 17.400 Mitgliedsbetrieben (Stand 2016) und ihren mehr als 70.000 Beschäftigten.
Die HWK Potsdam setzt sich für die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der Handwerksbranche ein, bündelt die Kräfte und Gemeinsamkeiten des Handwerks und bietet ihren Mitgliedsbetrieben zahlreiche Unterstützungen bei wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen.
Zu den Mitgliedsunternehmen gehören Handwerksbetriebe aller Branchen; vor allem aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, Elektro und Metall, Holz, Bekleidung und Textil, Gesundheit, Reinigung sowie Nahrungsmittel.
Die HWK Potsdam bietet in ihrem Zentrum für Gewerbeförderung in Götz umfangreiche Angebote für die Weiterbildung im westbrandenburgischen Handwerk und führt in den dortigen Lehrwerkstätten auch die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung durch. Sie ist zuständig für Gesellen-, Meister- und Fortbildungsprüfungen im Handwerk.

 

 








Ines Weitermann

Pressesprecherin und Teamleiterin Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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