Vorstand vor Ort Oberhavel: Friseur Bartholomäus Raschke
HwK Potsdam/Wolf

"Vorstand vor Ort" in Oberhavel

Hamburg? Die Zeiten sind vorbei!

Der Präsident der Handwerkskammer Potsdam, Robert Wüst, Vizepräsident Burghard Ehlert und Vorstandsmitglied Michael Graf besuchten am 23. Oktober Betriebe in der Region Oberhavel.

Friseur Bartholomäus Raschke aus Vehlefanz in Oberkrämer hat Pläne. Seinen Salon will er in den nächsten Jahren großzügig erweitern, den Personalstamm ausbauen. Raschke und die anderen Betriebsbesuche zeigen: Im Handwerk in Oberhavel läuft es wie geschmiert. In vielen Betrieben stapeln sich die Aufträge. Tischlermeister Erik Brandenburg gründete im Jahr 2015. Er setzt auf exklusives Innendesign und nachhaltige Produktion. Der Betrieb wächst schneller, als der 29-jährige Handwerker es in seinen kühnsten Träumen erwartet hatte. IHB-Meister Thomas Hübner installiert vor allem Wärmepumpen. Auftragsmangel sieht er auch er in den kommenden Monaten  nicht.  Guido Richard betreibt einen Hofladen in Gransee. Er setzt auf Qualitätsfleisch aus den umliegenden Wäldern und beliefert Potsdams einzigen Sternekoch und das Jagdschloss Grunewald mit seinen Produkten. Erst vor kurzem modernisierte er seine Produktionsstätte inklusive Photovoltaikanlage. Auch Bauunternehmer Michael Materka profitiert von der guten Konjunktur: „Im Moment überschlägt sich wieder alles. Die Zeiten, in denen ich nach  Hamburg zum Arbeiten gefahren bin, sind längst vorbei“.  

Das Innenstadt-Sterben, die zunehmende Filialisierung und die Bürokratie beschäftigen die Handwerker der Region Oberhavel. Zum Beispiel die Inhaberinnen des Hörgeräte-Studio Schnerwitzki & Becker in Glienicke/Nordbahn. Für sie ist es schwierig, sich gegen die großen Filialisten zu behaupten, die in den letzten Jahren Geschäfte im Ort eröffneten und ein kleines Produktsortiment vor allem über einen günstigen Preis absetzen. „Unser Kapital sind unsere Stammkunden. Auf jeden schneiden wir das richtige Gerät zu. Bei Hörgeräten ist sehr viel Empathie gefragt, auch das ist unsere Stärke“, erklärt die Hörgeräte-Akustikerin. Wieder mehr Laufkundschaft wünscht sich dagegen Gabriele Woyth in ihrem Schlosscafé im Zentrum. Wie viele andere Städte wird auch Oranienburgs Innenstadt immer leerer. Erst jüngst hätten zwei Geschäfte geschlossen, berichtet die Kreishandwerkerschaft Oberhavel.  Staus, Sperrungen und das wachsende Einkaufszentrum Friedensstraße führen auch dazu, dass viele Plätze im gemütlichen und neu renovierten Traditionscafé frei bleiben.

Die Betriebe profitieren unterschiedlich vom anhaltenden Konjunkturboom im Handwerk. Damit spiegeln die Besuche in Oberhavel auch die Ergebnisse der Herbstkonjunkturumfrage der Handwerkskammer wider: Nahrungsmittelhandwerker und Gesundheitsgewerke müssen sich gegen schwergewichtige Filialisten behaupten. Qualität und Individualität ist jedoch die Chance des Handwerks. Betriebe aus den Bau- und Ausbaugewerken „können sich kaum retten vor Aufträgen“, bringt es Präsident Robert Wüst im Auswertungsgespräch der Betriebsbesuche auf den Punkt. 


Im Landkreis Oberhavel sind 3.331 Handwerksbetriebe ansässig. Der Kammervorstand besuchte folgende Betriebe::

  • Friseur Bartholomäus Raschke, Oberkrämer OT Vehlefanz
  • Hörgeräte Schnerwitzki & Becker OHG, Glienicke/Nordbahn
  • Installateur- und Heizungsbeauermeister Thomas Hübner, Mühlenbecker Land
  • Malermeister Gürtler GmbH, Großwoltersdorf
  • Materka Bau GmbH, Oranienburg
  • Metallbauer Rusit Kohne, Velten
  • Schlosskonditorei Gabriele Woyth, Oranienburg
  • Tischlermeister Erik Brandenburg, Löwenburger Land
  • Wildfleischerei von Guido Richard, Gransee OT Dannenwalde

Vorstand vor Ort Oberhavel: Materka Bau

Vorstand vor Ort Oberhavel: Hörgeräte Schnerwitzki & Becker OHG, Glienicke/Nordbahn

Vorstand vor Ort Oberhavel 23.10.2019
HwK Potsdam/Wolf

Mit den Betriebsbesuchen setzt die Handwerkskammer Potsdam die seit 1997 stattfindenden traditionellen Vor-Ort-Gespräche bei Mitgliedsbetrieben fort. Neben der aktuellen Wirtschaftslage geht es in den Gesprächen auch um die Geschäftsstrategie der Handwerker, um Fragen der Digitalisierung oder die Ausbildungs- und Fachkräftesituation.