Siegfried Nass GmbH mit Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam
HwK Potsdam/Wolf

"Vorstand vor Ort" in der Prignitz

Betriebe fordern bessere Infrastruktur

Der Präsident der Handwerkskammer Potsdam, Robert Wüst, Vizepräsident Burghard Ehlert und Vorstandsmitglied Brita Meißner besuchten Handwerker und erkundigten sich, wo der Schuh drückt.

Die Bäckerei von Sandra Schultz liegt mitten auf dem Land. Wer aus dem Dorf raus will und das Auto stehen lassen möchte, informiert den „Rufbus“. Ihr Geschäft ist das einzige im Ort. Zum 100-jährigen Jubiläum des Dorfes, Krampfer in Plattenburg, hat die Bäckermeisterin ihren Hof geöffnet, eine Menge Kuchen gebacken und sich ein mittelalterliches Outfit zugelegt. Das Fest war ein voller Erfolg. Ein Beispiel von vielen, wie Betriebe ländliche Regionen lebendig erhalten; dazu beitragen, dass kulturelles Leben dort stattfindet.

Damit dies erhalten bleibt, fordert der Präsident der Handwerkskammer, Robert Wüst, ländliche Regionen in Brandenburg zu stärken. „Wir brauchen Infrastruktur, wir brauchen Mobilität. Es ist grundfalsch, ländliche Regionen weiter abzuhängen“, macht er deutlich. Und er ergänzt: „Die Betriebe haben gut zu tun, aber die Bürokratie erdrückt die Handwerker und sie sehnen sich nach mehr Anbindung.“ So begrüßt Tischlermeister Peter Ehrhorn aus Zwischendeich, einem Ortsteil von Wittenberge, das neue Azubi-Ticket in Brandenburg. Zum Betrieb kommen seine Lehrlinge damit aber nicht. Er wünsche sich eine Förderung über den ÖPNV hinaus.

Die Infrastruktur beschäftigt die Siegfried Nass GmbH aus Wittenberge täglich. Der Betrieb baut Schaltanlagen am Standort Wittenberge. Der Vertrieb erfolgt vor allem in Hamburg, Leipzig oder Schwerin. Die geografische Lage des Standortes sei gut, aber die Verkehrsanbindung ein Desaster, so Geschäftsführer Heiko Nass. Die Anbindung von Wittenberge an die Autobahn A14 sei längt überfällig. Umweltschutzverbände und das Land Brandenburg haben sich auf zusätzliche Maßnahmen beim Lärm- und Naturschutz geeinigt, um das Bauprojekt endlich weiter voranzubringen.

Wenn es um die tägliche Bürokratie geht, können alle besuchten Betriebe aus dem Nähkästchen plaudern: Der Bau des Firmenstandortes der LAU Förderanlagen GmbH & Co KG in Wittenberge mit dem Aufwand für das Förderverfahren war ein echter Kraftakt. Ein Fördertopf, der plötzlich leer war, ärgerte Dachdeckermeister Jens Hildebrandt aus Pritzwalk, als er seinen Antrag zur Innenstadtförderung gerade fertig ausgearbeitet hatte. Die Datenschutzgrundverordnung stellt Augenoptiker-Meisterin Diana Stürzenbecher vor besondere Hürden. Und immer neue Investitionen halten bei Kfz-Meister Ingo Preuß aus Meyenburg das Betriebsergebnis trotz guter Konjunktur klein. Notwendig werden sie aufgrund zahlreicher gesetzlicher Vorgaben.


Der Präsident der Handwerkskammer, Robert Wüst sowie Vizepräsident Burghard Ehlert und Vorstandsmitglied Brita Meißner besuchten am 28. August folgende Betriebe:

  • Bäckermeisterin Sandra Schultz, Plattenburg, OT Krampfer
  • Tischlermeister Peter Ehrhorn, Wittenberge OT Zwischendeich
  • Siegfried Nass GmbH, Wittenberge
  • LAU Förderanlagen GmbH & Co. KG, Lanz, Betriebsstätte Wittenberge
  • Augenoptikermeisterin Diana Stürzebecher, Perleberg
  • Uhrmachermeister Michael Preuß, Perleberg
  • Kraftfahrzeugtechniker-Meister Ingo Preuß, Meyenburg
  • Hildebrandt Dachdeckermeister GmbH & Co. KG, Pritzwalk
  • Brauerei von Rico Knorr, Pritzwalk

Bäckermeisterin Sandra Schultz, Krampfer

Tischlermeister Peter Ehrhorn, Zwischendeich

Vorstand vor Ort Prignitz

Mit den Betriebsbesuchen setzt die Handwerkskammer Potsdam die seit 1997 stattfindenden traditionellen Vor-Ort-Gespräche bei Mitgliedsbetrieben fort. Neben der aktuellen Wirtschaftslage geht es in den Gesprächen auch um die Geschäftsstrategie der Handwerker, um Fragen der Digitalisierung oder die Ausbildungs- und Fachkräftesituation.