Vollversammlung Juni 2020

Mehrwertsteuer-Senkung bedeutet Bürokratie

Vollversammlung der Handwerkskammer Potsdam tauscht sich online aus

Was bedeutet das milliardenschwere Konjunkturprogramm des Bundes für das Handwerk? Genau diese Frage stand im Vordergrund, als sich am 15. Juni 2020 die Vollversammlungsmitglieder im Rahmen einer Videokonferenz zur aktuellen Lage austauschten.  

In seiner Rede verwies Kammerpräsident Wüst darauf, dass die Corona-bedingten Einschränkungen die Existenz vieler Handwerksbetriebe gefährden. Das Handwerk habe daher gefordert, dass Brandenburg schnell und unbürokratisch ein Soforthilfeprogramm auflegt. Mit Erfolg, so Kammerpräsident Robert Wüst. Insgesamt seien mittlerweile fast 560 Millionen Euro an Soforthilfe – auch an viele Handwerksbetriebe – ausgezahlt worden.

Für besonders stark betroffene Betriebe müsse es aber weitere Unterstützung geben. Das dazu nun aufgelegte Konjunkturprogramm des Bundes begrüßte der Kammerpräsident, denn die Betriebe seien dringend auf eine Perspektive für die Zukunft angewiesen. „Für das personalintensive Handwerk ist die Deckelung der Sozialbeiträge wichtig, und mit der verringerten EEG-Umlage scheint sichergestellt, dass die ansonsten drohende Erhöhung der Energiekosten verhindert werden kann“, würdigt Wüst das Paket. Gleichzeitig machte er deutlich, dass sich das Handwerk steuerlich mehr erhofft habe. „Die geringfügige Mehrwertsteuersenkung für nur sechs Monate verursacht in unseren Betrieben mehr Bürokratie, als sie Konsumanreize bei Auftraggebern bringen kann“, erklärt Wüst. „Betriebe müssen jetzt Kassen- und Buchhaltungssysteme ändern, Verträge anpassen und Rechnungen umschreiben.“

Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig verwies in seiner Rede auf die angespannte Ausbildungssituation. Aktuell seien nur etwas mehr als 300 neue Ausbildungsverträge im westbrandenburgischen Handwerk eingetragen. Das seien knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Man müsse verhindern, dass sich dieser Trend fortsetzt, so Bührig. Er lobte, dass der Bund in seinem Konjunkturprogramm auch einen „Schutzschirm für Auszubildende“ vorsieht und Ausbildungsbetriebe finanziell unterstützen will. „Jetzt müssen den Ankündigungen aber auch Taten folgen“, so Bührig. „Es ist wichtig, dass schnell die Einzelheiten der Ausbildungsförderung festgelegt werden und betroffene Ausbildungsbetriebe unbürokratisch unterstützt werden.“