HWK Potsdam/Weitermann

Ein Kosmetiktisch für die Bundeskanzlerin

Betriebsbesuch bei der Tischlerei Thiede in Oberkrämer

Oberkrämer/Bötzow. Wohl jeder, der mit der Straßenbahn der BVG oder mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, ist mehr als einmal mit der Thied'schen Handwerksqualität aus Bötzow in Berührung gekommen. Denn der Tischlereibetrieb Olaf Thiede gilt seit Jahrzehnten als zuverlässiger Zulieferer für den Innenausbau von Schienenfahrzeugen. Auch die Innengestaltung des ZDF-Gebäudes in Berlin trägt die Handschrift der Tischlerei. Und selbst Angela Merkels Kosmetiktisch stammt aus den kreativen Händen des Familienbetriebes.

Jahrzehntelang bestimmte auch die Fertigung und Restaurierung von Orgelgehäusen das Produktionsprofil. Vielfalt hat den Handwerksbetrieb wachsen lassen. Und so zeigte sich Wirtschaftsminister Albrecht Gerber anlässlich seines Betriebsbesuches am 23. Februar in dem Handwerksbetrieb von der Vielfalt und Spannbreite des handwerklichen Könnens der 14 Mitarbeiter zählenden Traditionstischlerei auch mehr als beeindruckt.


Angefangen hat alles in einem kleinen Kellerraum

In nunmehr vierter Generation besteht die Tischlerei, die einen Frauenanteil von 25 Prozent vorweisen kann. Angefangen hat alles in einem kleinen Kellerraum, erzählt Olaf Thiede. Heute entstehen auf rund 1500 qm Fläche mit modernsten CNC-Maschinen und in verantwortungsvoll nachhaltig errichteten Produktionshallen hochpräzise Tischlereielemente. Im kommenden Jahr darf sich Tischlermeister und Seniorchef Olaf Thiede mit seinem Sohn und Nachfolger Patrick auf eigene 50 Jahre Handwerksbetrieb freuen. Das 1968 gegründete Unternehmen widmete sich zunächst dem Möbelbau sowie der Fertigung und Restaurierung von Orgelgehäusen. Seit 1986 hat sich Thiede auf den Innenausbau von Schienenfahrzeugen spezialisiert. Bombardier gehört unter anderem zu den Auftraggebern. Mehrfach ausgezeichnet, entwickelte die Tischlerei beispielsweise im Rahmen eines Forschungsprojektes eine neuartige Fußbodenplatte für Schienenfahrzeuge. „Wir sind aus Holz gewachsen, wir leben mit dem Holz, und wir kommen aus dem Holz“, betont Thiede stolz. Während Sohn Patrick als der technische Ideengeber seinen Platz im Unternehmen hat, ist der Kopf des Seniors voller kreativer Ideen, die er mit seinem Sohn und der gesamten Mannschaft umsetzt. 


Nachwuchsförderung in den Fokus der Politik rücken

Dass die Unternehmensnachfolge geregelt ist, macht den Senior froh. „Wir haben mit der Handwerkskammer Potsdam und der ZAB schon sehr früh Gespräche geführt, um alles in geordnete Bahnen zu bringen. Handwerk bedeutet Arbeit aus einer Mischung aus Geist und Hand“, unterstreicht er dabei eindringlich. Und er appelliert an den Minister, alles dafür zu tun, besonders den kleinen Handwerksbetrieben jegliche erdenkliche Unterstützung für ihre wirtschaftliche Entwicklung zuteil werden zu lassen. Dazu gehört für ihn auch, die duale Ausbildung als Grundpfeiler der deutschen Wirtschaft zu stärken und das Handwerk und seine Leistungen noch viel mehr öffentlich zu würdigen: „Das Handwerk braucht die Nachwuchsförderung, das muss in den Fokus der Politik rücken! Nur so kann es gelingen, junge Leute für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen. Auch im Tischlerhandwerk fehlt es an Nachwuchs, doch gute Leute werden gebraucht!“ Die Sorge um den fehlenden Nachwuchs teilt er mit vielen Berufskollegen. Er wünscht sich, dass viel mehr über die Innovationen, die das Handwerk hervorbringt, gesprochen und berichtet wird: „So begeistern wir junge Menschen für uns, das Handwerk muss sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.“ Thiede selbst hat seit 1975 50 Lehrlinge ausgebildet und 22 Meister hervorgebracht. Und auch seine Tochter ist dem Naturprodukt Holz treu und betreibt im benachbarten Wansdorf eine eigene Tischlerei. Wie kreativ das Tischlerhandwerk ist, bewies ein kleiner Exkurs zum Abschluss des Besuches: Zum Siegeszug um die Welt der Keramiken der benachbarten Hedwig-Bollhagen-Werkstätten hat auch das Können der Thiedes beigetragen. Die Präsentationsflächen für die Ausstellung in Miami wurden hier gefertigt.

 Ines Weitermann

Beachtlich: Die Tischlerei kann einen Frauenanteil von 25 Prozent vorweisen.
HWK Potsdam/Weitermann
Beachtlich: Die Tischlerei kann einen Frauenanteil von 25 Prozent vorweisen.