Erwartungen verhalten, Investitionen schwachKonjunktur im Handwerk verschlechtert sich weiter
Die wirtschaftliche Lage des Handwerks im Kammerbezirk Potsdam hat sich im Frühjahr 2026 weiter verschlechtert. Die Betriebe bewerten ihre Geschäftslage zurückhaltender, die Erwartungen bleiben verhalten und die Investitionsbereitschaft ist niedrig. Die Nachfrage bleibt schwach, die Auftragsreichweiten haben sich verkürzt – gleichzeitig hält der Kosten- und Preisdruck an.Der Geschäftsklimaindex liegt bei 105 Punkten (Frühjahr 2025: 109). 74,1 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut oder befriedigend – der niedrigste Wert der letzten Jahre. Besonders betroffen ist das Bauhauptgewerbe: Nur noch 66,2 Prozent melden eine gute oder befriedigende Geschäftslage (Frühjahr 2025: 81,3). Der durchschnittliche Auftragsvorlauf ist auf 8,9 Wochen gesunken (Vorjahr: 11,5), die Auslastung liegt bei 81 Prozent (Vorjahr: 83). Bei den Umsätzen berichten 46 Prozent von Rückgängen, bei den Investitionen melden 44 Prozent sinkende Werte.
Auch bei den Preisen bleibt der Druck hoch: 65 Prozent der Betriebe verzeichnen gestiegene Einkaufspreise, aber nur 42 Prozent konnten höhere Verkaufspreise durchsetzen. Die Beschäftigung bleibt insgesamt überwiegend stabil, im Bauhauptgewerbe zeigt sich jedoch ein deutlicher Rückgang.
Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, ordnete im Pressegespräch die Lage ein: „Die wirtschaftliche Lage vieler Handwerksbetriebe in Westbrandenburg ist ernst. Die Verunsicherung ist groß, die Nachfrage bleibt in vielen Bereichen zu schwach und gleichzeitig steigen die Sozialabgaben, Energiepreise und die Bürokratie weiter. Besonders problematisch ist, dass viele Betriebe Preissteigerungen bei Material und Vorleistungen nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben können. Das schmälert die Erträge und bremst Investitionen. Verbraucher und Betriebe sind verunsichert. Solange es nicht gelingt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlässlich zu verbessern und für mehr Planbarkeit zu sorgen, bleiben Nachfrage, Investitionsbereitschaft und Vertrauen schwach.“