Presseinformation Nr. 74 vom 9. Oktober 2026Handwerkskonjunktur in Westbrandenburg: Geschäftsklima deutlich gesunken / Sinkende Auftragseingänge, steigender Kostendruck und zurückhaltende Investitionspläne prägen den Ausblick der Betriebe
Das westbrandenburgische Handwerk im 3. Quartal 2026
Potsdam. Das Geschäftsklima im westbrandenburgischen Handwerk hat sich im Herbst 2026 weiter eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex fällt binnen eines Jahres um zwölf Punkte von 110 auf 98 Punkte.
Nur noch 79 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend (Vorjahr: 86 Prozent). Zugleich haben sich die Erwartungen für die kommenden Monate deutlich eingetrübt.
Das sind die Ergebnisse der aktuellen Herbstkonjunkturumfrage, die von der Handwerkskammer Potsdam am 9. Oktober 2026 vorgestellt wurde.
Aktuelle Geschäftslage: Unterschiede zwischen den Branchen
In allen sieben Gewerbegruppen ist der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend bewerten, gegenüber dem Vorjahr gesunken.
Insgesamt beurteilen 39 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Lage als gut, weitere 40 Prozent als befriedigend und 21 Prozent als schlecht. Die schwächere Nachfrage trifft dabei auf einen weiterhin hohen Kostendruck.
Auch die Betriebsauslastung ist zurückgegangen. Sie liegt im Durchschnitt bei 85 Prozent (Vorjahr: 89 Prozent). Die niedrigste durchschnittliche Auslastung weist das Nahrungsmittelgewerbe mit 76 Prozent auf (Vorjahr: 83 Prozent), die höchste das Bauhauptgewerbe mit 93 Prozent (Vorjahr: 93 Prozent).
Die Auftragslage hat sich ebenfalls verschlechtert. 13 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Auftragseingängen (Vorjahr: 8 Prozent), 32 Prozent von Rückgängen (Vorjahr: 20 Prozent).
Der Saldo aus steigenden und sinkenden Auftragseingängen verschlechtert sich damit von minus 12 Punkten im Vorjahr auf minus 19 Punkte. Für das vierte Quartal erwarten 15 Prozent steigende und 33 Prozent sinkende Auftragseingänge. Der Erwartungssaldo liegt bei minus 18 Punkten.
Die Auftragsvorläufe haben sich auf 9,6 Wochen verkürzt (Vorjahr: 10,4 Wochen). Sinkende Auftragseingänge, geringere Auslastung und kürzere Auftragsvorläufe erschweren den Betrieben die Planung für die kommenden Monate.
Umsätze rückläufig, Preisdruck nimmt zu
18 Prozent der Betriebe melden gestiegene Umsätze (Vorjahr: 19 Prozent), 50 Prozent gleichbleibende (Vorjahr: 62 Prozent) und 32 Prozent gesunkene Umsätze (Vorjahr: 19 Prozent).
Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen fällt damit von null Punkten im Vorjahr auf minus 14 Punkte.
Für das vierte Quartal erwarten 18 Prozent der befragten Betriebe steigende und 32 Prozent sinkende Umsätze. Der Erwartungssaldo liegt ebenfalls bei minus 14 Punkten.
68 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen (Vorjahr: 49 Prozent). Für das vierte Quartal rechnen 84 Prozent mit weiteren Steigerungen (Vorjahr: 70 Prozent). 44 Prozent der Betriebe haben im dritten Quartal ihre Verkaufspreise erhöht.
Damit berichten deutlich mehr Betriebe von steigenden Einkaufspreisen (68 Prozent), als ihre Verkaufspreise erhöht haben (44 Prozent). Besonders hoch ist der Kostendruck im Kraftfahrzeug- und Nahrungsmittelgewerbe mit jeweils 88 Prozent sowie bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf mit 82 Prozent.
Beschäftigung weitgehend stabil, Investitionspläne rückläufig
Die Beschäftigung zeigt sich trotz der schwächeren Konjunktur aktuell weitgehend stabil. 77 Prozent der Betriebe hielten ihre Beschäftigtenzahl konstant, 10 Prozent erhöhten sie (Vorjahr: 12 Prozent). 13 Prozent reduzierten Personal (Vorjahr: 16 Prozent).
Für das vierte Quartal erwarten 76 Prozent eine gleichbleibende Beschäftigtenzahl. 18 Prozent rechnen mit einem Rückgang, nur sechs Prozent mit einem Anstieg.
Bei den Investitionen zeigt sich eine stärkere Zurückhaltung. Im dritten Quartal erhöhten 14 Prozent der Betriebe ihre Investitionen, 43 Prozent hielten sie konstant und 43 Prozent reduzierten sie. Der Saldo aus erhöhten und reduzierten Investitionen liegt damit bei minus 29 Punkten.
Für das vierte Quartal planen nur sieben Prozent höhere Investitionen, während 45 Prozent mit sinkenden Investitionen rechnen. Der Erwartungssaldo fällt auf minus 38 Punkte.
Die Investitionspläne unterstreichen damit die deutlich eingetrübten Erwartungen der Betriebe für die kommenden Monate.
Geschäftslage in vielen Branchen deutlich schwächer
Im Bauhauptgewerbe bewerten 53 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut (Vorjahr: 51 Prozent). Zugleich berichten 30 Prozent von Umsatzrückgängen (Vorjahr: 19 Prozent). Im Ausbaugewerbe bewerten 39 Prozent ihre Geschäftslage als gut (Vorjahr: 53 Prozent); 32 Prozent melden rückläufige Umsätze (Vorjahr: 18 Prozent).
Bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf bewerten 20 Prozent ihre Geschäftslage als gut (Vorjahr: 40 Prozent). 82 Prozent berichten von gestiegenen Einkaufspreisen. Im Kraftfahrzeuggewerbe bewerten 34 Prozent ihre Geschäftslage als gut (Vorjahr: 53 Prozent). Gleichzeitig berichten dort 88 Prozent von gestiegenen Einkaufspreisen und 73 Prozent von gestiegenen Verkaufspreisen.
Im Nahrungsmittelgewerbe bewertet nur noch die Hälfte der Betriebe ihre Geschäftslage als gut (Vorjahr: 67 Prozent). Im Gesundheitshandwerk ist es sogar nur noch ein Viertel (Vorjahr: 43 Prozent). Bei den personenbezogenen Dienstleistungen stieg der Anteil guter Lagebeurteilungen dagegen auf 53 Prozent (Vorjahr: 40 Prozent).
Geschäftserwartungen deutlich schwächer
Auch der Blick auf die kommenden Monate fällt skeptischer aus. 30 Prozent der Betriebe erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage (Vorjahr: 22 Prozent). Nur 11 Prozent rechnen mit einer Verbesserung (Vorjahr: 11 Prozent). Der Saldo aus positiven und negativen Geschäftserwartungen fällt damit von minus 11 Punkten im Vorjahr auf minus 19 Punkte.
Besonders skeptisch sind die Einschätzungen bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf: 37 Prozent erwarten eine schlechtere Geschäftslage. Auch im Bauhauptgewerbe, Ausbaugewerbe und Kraftfahrzeuggewerbe überwiegen mit 29 Prozent beziehungsweise jeweils 31 Prozent die negativen Erwartungen.
Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, ordnet die Ergebnisse ein: „Die Zahlen sind ein deutlicher Weckruf. Wenn Aufträge zurückgehen, Kosten weiter steigen und fast jeder zweite Betrieb seine Investitionen zurückfahren will, braucht es jetzt spürbare Veränderungen bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Unsere Betriebe brauchen weniger Bürokratie, eine Begrenzung der Belastung durch Energie- und Lohnnebenkosten und vor allem Planungssicherheit. Wer Investitionen und Beschäftigung sichern will, muss den Betrieben Luft für unternehmerisches Handeln geben. Weitere Belastungen können wir uns nicht leisten.“
Hintergrund
Über die Handwerkskammer Potsdam
Die Handwerkskammer (HWK) Potsdam ist eine als Körperschaft des öffentlichen Rechts organisierte Selbstverwaltungseinrichtung für die Landkreise Havelland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Prignitz, Teltow-Fläming und die kreisfreien Städte Potsdam und Brandenburg an der Havel. Sie ist die Interessenvertretung von rund 17.500 Mitgliedsbetrieben und ihren mehr als 71.800 Beschäftigten in über 125 Gewerken.
Die HWK Potsdam setzt sich für die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der Handwerksbranche ein, bündelt die Kräfte und Gemeinsamkeiten des Handwerks und bietet ihren Mitgliedsbetrieben zahlreiche Unterstützungen bei wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen. Zu den Mitgliedsunternehmen gehören Handwerksbetriebe aller Branchen; vor allem aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, Elektro und Metall, Holz, Bekleidung und Textil, Gesundheit, Reinigung sowie Nahrungsmittel.
Die HWK Potsdam bietet an ihrem Bildungs- und Innovationscampus Handwerk (BIH) Götz umfangreiche Angebote für die Weiterbildung im westbrandenburgischen Handwerk und führt in den dortigen Lehrwerkstätten auch die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung durch. Sie ist zuständig für Gesellen-, Meister- und Fortbildungsprüfungen im Handwerk.