Presseinformation Nr. 44 vom 4. Juni 202680 Jahre Handwerkskammer Potsdam: Gartenfest am Schwielowsee mit klaren Botschaften an die Politik
Potsdam/ Caputh. Rund 450 Gäste aus Handwerk, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien folgten am Donnerstagabend der Einladung der Handwerkskammer Potsdam zum 32. Gartenfest nach Caputh. Die traditionsreiche Netzwerkveranstaltung stand in diesem Jahr im Zeichen des 80-jährigen Bestehens der Handwerkskammer in Potsdam. Zugleich prägten die aktuellen Herausforderungen des Handwerks die Gespräche: die angespannte wirtschaftliche Lage, Ausbildung, Fachkräftesicherung, Unternehmensnachfolge, Bürokratieabbau, Investitionsbedingungen und die gesellschaftliche Wertschätzung für handwerkliche Arbeit. Erstmals nutzten auch mehrere Mitglieder der neu gewählten Landesregierung die Gelegenheit zum direkten Austausch mit der Handwerksfamilie.
Seit 1992 gehört das Gartenfest zu den wichtigen Netzwerkveranstaltungen des brandenburgischen Handwerks. Auch in diesem Jahr bot der Abend Raum für Gespräche jenseits des Tagesgeschäfts. Vertreter aus Handwerk, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien kamen am Schwielowsee zusammen, um sich über die Lage der Betriebe, die Zukunft der beruflichen Bildung und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Brandenburg auszutauschen.
1946 wurde die Handwerkskammer Potsdam gegründet. Grundlage war der Befehl Nr. 161 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland vom 27. Mai 1946, der am 15. Juli 1946 in Kraft trat. 80 Jahre später steht die Handwerkskammer für Selbstverwaltung, Interessenvertretung, berufliche Bildung, Meisterqualifikation und konkrete Unterstützung der Handwerksbetriebe in Westbrandenburg.
Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, verband in seiner Begrüßung das Jubiläum mit einem klaren wirtschaftspolitischen Appell: „80 Jahre Handwerkskammer Potsdam stehen für acht Jahrzehnte wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Wandel. Brandenburg braucht auch heute sein Handwerk: für Neubau und Sanierung, für die Umsetzung der Energie- und Wärmewende, für funktionierende Infrastruktur sowie für Versorgung und Dienstleistungen im Alltag. Gleichzeitig spüren unsere Betriebe, wie steigende Belastungen, Bürokratie und fehlende Verlässlichkeit ihre Entwicklung bremsen. Wenn der Staat immer neue Anforderungen stellt, ohne selbst schneller, einfacher und verlässlicher zu werden, verlieren Unternehmen die Kraft für Wachstum und Innovation. Damit das Handwerk stark bleibt, braucht es jetzt entschlossene Reformen und Rahmenbedingungen, die wirtschaftliche Dynamik wieder ermöglichen.“
Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, richtete den Blick auch auf die Arbeit der Kammer in den kommenden Jahren: „80 Jahre Handwerkskammer Potsdam sind Verpflichtung und Auftrag zugleich. Unsere Kammer ist nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, hat in der DDR‑Zeit trotz staatlicher Reglementierungen handwerkliche Strukturen bewahrt und sich nach der Wiedervereinigung zu einer modernen Selbstverwaltungseinrichtung entwickelt. Die Anforderungen an das Handwerk verändern sich rasant, ob durch Digitalisierung, bei Energiewende über Fachkräftesicherung bis hin zu neuen Geschäftsmodellen. Unsere Aufgabe ist es, die Betriebe in diesem Wandel zu begleiten, Entwicklungen zu unterstützen, die berufliche Bildung zu stärken und die Handwerksinteressen gegenüber Politik und Verwaltung wirkungsvoll zu vertreten.“
Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke würdigte in seinem Grußwort die Bedeutung des Handwerks für Brandenburg. „Das brandenburgische Handwerk ist mit seinen mehr als 184.000 Beschäftigten das verlässliche Rückgrat unserer Wirtschaft. In Westbrandenburg steht seit nunmehr acht Jahrzehnten die Handwerkskammer Potsdam fest an der Seite der Unternehmen. Ich kann versichern: Die Landesregierung bleibt ein verlässlicher Partner des Handwerks. Die entscheidenden Transformationsaufgaben gehen wir gemeinsam an. Dafür steht das neue Aktionsprogramm Handwerk, das wir morgen unterzeichnen werden.“
Auch ZDH-Präsident Jörg Dittrich griff die Lage des Handwerks mit Blick auf die bundespolitischen Rahmenbedingungen auf: „Die Stimmung ist wesentlich schlechter, als es dieses fröhliche Gartenfest vermuten ließe. Denn der Druck, unter dem Handwerksbetriebe derzeit stehen, ist enorm: Arbeit in Deutschland wird immer teurer und damit sind immer weniger Betriebe wettbewerbsfähig. Die ausufernden Sozialabgaben sind ein wesentlicher Faktor für die derzeitige konjunkturelle Abwärtsspirale. Von den angekündigten Entlastungen kommt bislang viel zu wenig bei den Betrieben an. Dabei bräuchten genau diese angesichts hoher Bürokratiekosten und Steuern schnellstmöglich ein Ventil, damit der Kessel nicht überkocht. Wer Sozialbeiträge dauerhaft steigen lässt, gefährdet am Ende genau das, was erhalten werden soll, nämlich wirtschaftliche Stärke, sichere Arbeitsplätze und gesellschaftlichen Zusammenhalt.“
Ein besonderer Moment des Abends war die Ehrung von Kammerpräsident Wüst. ZDH‑Präsident Dittrich verlieh ihm das Handwerkszeichen in Gold, die höchste Auszeichnung des deutschen Handwerks für herausragende Verdienste um die wirtschaftliche Selbstverwaltung und die Belange des Handwerks.
Mit den „Erlebniswelten Handwerk“ wurde das westbrandenburgische Handwerk auch in diesem Jahr praktisch erlebbar. Innungen und Handwerksbetriebe präsentierten Kulinarisches, Innovatives und Traditionelles. Bäcker, Konditoren, Elektroniker, Fleischer, Gebäudereiniger, Tischler und Dachdecker zeigten beispielhaft, wie vielfältig, leistungsfähig und modern das Handwerk in der Region ist. Gäste konnten Handwerk vor Ort erleben, probieren und mit den Betrieben direkt ins Gespräch kommen.