Dieka Werder (l.) und ihr Team
Friseursalon Dieka Werder
Dieka Werder (l.) und ihr Team

Strähnchen mit der Badekappe

Rückblick: Vor der Verantwortung hat sie sich noch nie gedrückt. Dieka Werder, 1965 geboren, startete mitten in der Wendezeit noch einmal eine Ausbildung als Friseurin in Kremmen, nachdem sie zuvor bereits als Verkaufsstellenleiterin eines Textilgeschäfts arbeitete.

Text: Katja Wolf

Oberhavel: Ihr Schwiegervater übernahm den zuvor verstaatlichten Friseurbetrieb mit all seinen Mitarbeitern und wollte ihn gern in Familienhand weitergeben. „Ich habe ganz klassisch angefangen, Dauerwelle zu wickeln“, erinnert sich Werder an die Zeit ihrer Ausbildung. „Wir nutzten die Schaumdauerwelle, das war quasi schon die ‚West-Dauerwelle‘. Mein Schwiegervater kam mit ganzen Kisten an Material, wir haben ja fast nichts anderes gemacht.“ Auch Strähnchen standen damals hoch im Kurs. Zu DDR-Zeiten gab es dafür eine pragmatische Lösung: Eine Badekappe wurde mit Löchern versehen und die Haarsträhnen durchgezogen. Nach der Wende stellte man dann auf Folie um, so wie es heute Bestand habe.

Die Ausbildung lief schon in den 90er Jahren dual. Die Woche teilte sich für die junge Dieka Werder auf zwischen Betrieb und Berufsschule, damals noch in Oranienburg. Eine Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung wie heute gab es noch nicht. „Einmal sind wir als Lehrlinge zur Messe gefahren, das war schon eine Erfahrung wert. Wir erhielten Farbproben, die wir natürlich zu Hause an uns selbst ausprobiert haben.“, erzählt die heutige Unternehmerin.

Die 90er Jahre waren für Werder eine Zeit des Aufbruchs gepaart mit großen Niederschlägen. Während der Ausbildung kam Tochter Vivian zur Welt, die heute selbst als Meisterin im Familienbetrieb arbeitet. Mitte der 90er Jahre starb Werders Schwiegervater, die Geschäftsführung übernahmen übergangsweise ihr Mann und die Schwiegermutter. Für die junge Friseurin bedeutete dies, direkt mit ihrer Meisterqualifikation zu starten. „Zum Glück hatte ich immer meine Eltern mit im Boot. Sonst hätte ich das nicht geschafft“, erinnert sich Werder.

Heute stellvertretende Obermeisterin

War ihr Salon nach der Wende zunächst der einzige in Kremmen, öffneten bald weitere Geschäfte. Heute zählt die Stadt und die umliegenden Dörfer fünf Friseure. Zu tun hatten die Werders dennoch immer gut. „Wir waren immer preiswert. Die meisten Kunden haben uns die Treue gehalten“, so die Unternehmerin. Heute betreibt sie zwei Salons in Kremmen und dem Ortsteil Flatow, bildet eine junge Friseurin aus und betreut Pflegeheime vor Ort mit ihren Diensten. Die stellvertretende Obermeisterin der Friseurinnung Oberhavel feierte im März ihr silbernes Meisterjubiläum. Heute wünscht sie sich mehr Zeit für sich und ihre Mitarbeiter. „Wir müssen am Ball bleiben, uns immer weiterbilden. In den letzten Jahren hatten wir dafür wenig Zeit“, so Werder.

Dieses Unternehmensportrait erschien in der Ausgabe 4/2020 des Handwerksblattes der Handwerkskammer Potsdam im Rahmen der redaktionellen Serie "30 Jahre Einheit"