Auftakt für Handwerk regional in PotsdamOberbürgermeisterin Noosha Aubel unterwegs im Potsdamer Handwerk
Wie steht es um das Handwerk in der Landeshauptstadt? Welche Herausforderungen prägen den betrieblichen Alltag? Und was braucht das Handwerk in Potsdam, um sich gut entwickeln zu können? Um diese Fragen ging es am Mittwoch, 22. April 2026, bei der neuen Besuchsreihe der Handwerkskammer Potsdam „Handwerk regional“, die gemeinsam mit der Kommunalpolitik auf den Weg gebracht wurde.
Den Auftakt machte ein Austausch mit der Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam, Noosha Aubel. Gemeinsam mit Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, und Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig besuchte sie zwei Potsdamer Handwerksbetriebe, um sich vor Ort über die aktuelle Lage, konkrete Belastungen und Perspektiven des regionalen Handwerks zu informieren.
Mit der K+S Elektroservice GmbH Potsdam und der Genossenschaft des Friseurhandwerks Potsdam eG mit dem Salon Cut + Care standen zwei sehr unterschiedliche Betriebe auf dem Programm.
Gemeinsam machten Ralf Schneider, Prokurist bei K + S Elektroservice und die beiden neuen Geschäftsführer Patrick Bohr und Oliver George bei der K+S Elektroservice wurde sehr konkret, wie sehr Bürokratie und fehlende Praxistauglichkeit in Verwaltungsabläufen den Arbeitsalltag erschweren. Das Unternehmen bearbeitet jedes Jahr rund 3000 Aufträge und ist darauf angewiesen, zügig bei Kunden vor Ort zu sein. Umso dringlicher ist aus Sicht des Handwerks eine Lösung beim Thema Handwerker-Parkausweis. Für viele Betriebe wäre er eine spürbare Erleichterung, damit Einsatzfahrzeuge im Arbeitsalltag unbürokratischer abgestellt werden können. Ebenso deutlich wurde die Kritik an langwierigen Genehmigungsverfahren, zusätzlichem Papieraufwand und Abläufen, die noch immer zu wenig digital und zu wenig auf die Praxis kleiner und mittlerer Betriebe ausgerichtet sind. Einigkeit bestand darin, dass es in der Verwaltung einen noch stärkeren praxisnahen Denkprozess braucht: hinhören, wo die konkreten Sorgen und Nöte der Betriebe liegen, Verfahren erleichtern und vorhandene Unterstützungsmöglichkeiten, etwa durch die Wirtschaftsförderung der Stadt, wirksam nutzbar machen.
Beim Austausch mit dem Cut + Care Geschäftsführer und Friseurmeister Ingo Thalmann rückte vor allem die Fachkräftesicherung in den Mittelpunkt. „Gerade in einer so rasant wachsenden Stadt wie Potsdam bleibt unser Bedarf an Fachkräften und Auszubildenden gleichbleibend hoch“, so Thalmann. Wichtig sei, das Handwerk mehr ins Bewusstsein der Stadt zu holen. Dazu gehöre vor allem auch bezahlbarer Wohnraum für Beschäftigte und Parkmöglichkeiten für jede, die einpendeln müssen. Weiß der Friseurmeister. Die Betriebe berichteten von sinkenden Bewerberzahlen, falschen Vorstellungen von der beruflichen Welt und davon, dass berufliche Bildung in der Landeshauptstadt gesellschaftlich nicht die Anerkennung erhält, die sie verdient. Gerade in einer stark akademisch geprägten Stadt wie Potsdam braucht das Handwerk mehr Offenheit für Ausbildungswege, mehr Wertschätzung für praktische Berufe und bessere Bedingungen für die berufliche Bildung. Dazu gehören auch der Erhalt und eine gute Ausstattung der Oberstufenzentren in Potsdam sowie Lösungen beim Thema Azubiwohnen und Wohnheime für junge Menschen, die eine Ausbildung absolvieren.
Der Austausch vor Ort zeigte: Das Handwerk in Potsdam ist leistungsfähig, ausbildungsbereit und für das Funktionieren der Stadt unverzichtbar. Umso wichtiger war das Signal aus dem Rathaus, dass die Anliegen der Betriebe ernst genommen werden. Oberbürgermeisterin Noosha Aubel zeigte sich im Gespräch offen für die geschilderten Probleme, sagte Unterstützung zu und stellte beim Thema Handwerkerparkausweis bis zum Herbst konkrete Fortschritte in Aussicht.
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