Presseinformation Nr. 27 vom 14. April 2026Konjunkturlage im Handwerk verschlechtert sich weiter: Frühjahrskonjunkturumfrage 2026: Erwartungen sehr verhalten, Investitionsbereitschaft bleibt schwach
Potsdam. Die wirtschaftliche Lage des Handwerks im Kammerbezirk Potsdam hat sich im Frühjahr 2026 weiter verschlechtert. Die Geschäftslage wird schlechter bewertet, die Erwartungen der Betriebe bleiben sehr verhalten und auch die Investitionsbereitschaft ist niedrig. Die Auftragsreichweiten haben sich verkürzt, die Nachfrage bleibt schwach und die Preissituation angespannt.
Das sind die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, die der Präsident der Handwerkskammer Potsdam Robert Wüst heute gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig vorstellte.
Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, sagte: „Die wirtschaftliche Lage vieler Handwerksbetriebe in Westbrandenburg ist ernst. Die Verunsicherung ist groß, die Nachfrage bleibt in vielen Bereichen zu schwach und gleichzeitig steigen die Sozialabgaben, Energiepreise und die Bürokratie weiter. Besonders problematisch ist, dass viele Betriebe Preissteigerungen bei Material und Vorleistungen nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben können. Das schmälert die Erträge und bremst Investitionen. Verbraucher und Betriebe sind verunsichert. Solange es nicht gelingt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlässlich zu verbessern und für mehr Planbarkeit zu sorgen, bleiben Nachfrage, Investitionsbereitschaft und Vertrauen schwach.“
Geschäftslage weiter eingetrübt
Der Geschäftsklimaindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die zukünftigen Erwartungen widerspiegelt, liegt aktuell bei 105 Punkten (Frühjahr 2025: 109 Punkte).
74,1 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut oder zumindest befriedigend (Frühjahr 2025: 75,5 Prozent). Das ist der schlechteste Wert der letzten Jahre.
Besonders betroffen ist das Bauhauptgewerbe. Nur noch 66,2 Prozent der Betriebe schätzen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend ein (Frühjahr 2025: 81,3 Prozent). Stabil beziehungsweise verbessert zeigen sich dagegen vor allem das Gesundheitshandwerk mit 85,0 Prozent (Frühjahr 2025: 83,3 Prozent), das Nahrungsmittelgewerbe mit 80,0 Prozent (Frühjahr 2025: 62,5 Prozent), die personenbezogenen Dienstleistungen mit 70,6 Prozent (Frühjahr 2025: 69,2 Prozent) sowie auch das Ausbaugewerbe mit 76,0 Prozent (Frühjahr 2025: 74,1 Prozent). Das Kraftfahrzeuggewerbe liegt mit 80,6 Prozent weiterhin auf hohem Niveau, bleibt aber unter dem Vorjahreswert von 86,2 Prozent.
Rückläufige Auftragslage, schwächere Umsätze, stabile Beschäftigung
Die durchschnittliche Betriebsauslastung liegt aktuell bei 81 Prozent (Vorjahr: 83 Prozent) und ist damit weiter gesunken.
Der durchschnittliche Auftragsvorlauf hat sich auf 8,9 Wochen verkürzt (1. Quartal 2025: 11,5 Wochen). Das ist ein deutliches Signal für die nachlassende Nachfrage und die geringere Auslastung vieler Betriebe. Der zeitliche Puffer, mit dem Unternehmen planen und wirtschaften können, wird kleiner.
Auch die Auftragslage hat sich im ersten Quartal 2026 negativ entwickelt. Nur 12 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Auftragseingängen (Vorjahr: 13 Prozent), 53 Prozent von einer gleichbleibenden Auftragslage (Vorjahr: 55 Prozent) und 35 Prozent von einem Rückgang (Vorjahr: 32 Prozent).
Entsprechend angespannt ist die Umsatzentwicklung. Nur 14 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Umsätzen, 40 Prozent von einer gleichbleibenden Entwicklung und 46 Prozent von gesunkenen Umsätzen (1. Quartal 2025: 20 Prozent, 38 Prozent, 42 Prozent). Die wirtschaftliche Schwäche schlägt damit zunehmend auf die Ertragslage der Betriebe durch.
Die Beschäftigtenentwicklung zeigt insgesamt ein überwiegend stabiles Bild. 9 Prozent der Betriebe berichten von einem Beschäftigtenzuwachs, 73 Prozent von einem gleichbleibenden Personalbestand und 18 Prozent von einem Rückgang (Frühjahr 2025: 8 Prozent, 74 Prozent, 17 Prozent).
Besonders deutlich fällt der Beschäftigtenrückgang allerdings im Bauhauptgewerbe aus: Dort steht einem Beschäftigungsaufbau von 10 Prozent ein Rückgang von 30 Prozent gegenüber. Das entspricht einem Saldo von minus 20 Prozentpunkten. Im Ausbaugewerbe liegt der Saldo bei minus 12 Prozentpunkten. Positiv ist die Beschäftigtenentwicklung dagegen im Gesundheitshandwerk mit einem Saldo von plus 5 Prozentpunkten.
Preisdruck bleibt hoch
Bei der Entwicklung der Einkaufs- und Verkaufspreise bleibt der Druck hoch. 65 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen (1. Quartal 2025: 60 Prozent). Gleichzeitig konnten nur 42 Prozent höhere Verkaufspreise durchsetzen (Frühjahr 2025: 41 Prozent). Viele Betriebe können ihre gestiegenen Kosten damit weiterhin nur eingeschränkt an ihre Kunden weitergeben. Der Druck auf die Erträge bleibt damit hoch.
Abgeschwächte Investitionsneigung
Aufgrund der schwierigen Geschäftslage und der unsicheren Perspektiven bleibt das Investitionsklima schwach. Nur 12 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Investitionen, 44 Prozent von einem gleichbleibenden Niveau und 44 Prozent von gesunkenen Investitionen (1. Quartal 2025: 16 Prozent, 39 Prozent, 45 Prozent). Größere Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen werden vielfach verschoben.
Ein Blick auf die längerfristige Entwicklung macht die Dramatik besonders deutlich: Nach Investitionssalden von minus 19 Prozentpunkten im Jahr 2020 rutschte der Saldo im ersten Quartal 2026 auf minus 32 Prozentpunkte ab. Das zeigt, wie stark sich die Investitionszurückhaltung inzwischen verfestigt hat und wie groß die Unsicherheit in den Unternehmen ist.
Sehr verhaltene Zukunftserwartungen
Die Geschäftserwartungen für die kommenden Wochen fallen sehr verhalten aus. 22 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung ihrer Lage, 56 Prozent mit einer gleichbleibenden Entwicklung und 22 Prozent mit einer Verschlechterung (Frühjahr 2025: 40 Prozent, 36 Prozent, 24 Prozent). Damit liegt der Saldo der Erwartungen im Frühjahr 2026 bei null Prozentpunkten, nach plus 3 Prozentpunkten im Vergleichswert des Vorjahres.
Mit Blick auf die einzelnen Gewerke fallen die Zukunftserwartungen unterschiedlich aus. Im Bauhauptgewerbe überwiegt mit einem Saldo von minus 3 Prozentpunkten der Pessimismus, im Kraftfahrzeuggewerbe ebenfalls mit minus 3 Prozentpunkten. Im Nahrungsmittelgewerbe fällt der Pessimismus mit minus 10 Prozentpunkten deutlich stärker aus. Ausgeglichen ist das Bild im Ausbaugewerbe und im Gesundheitshandwerk mit jeweils null Prozentpunkten. Etwas positiver blicken die Handwerke für den gewerblichen Bedarf mit einem Saldo von plus 6 Prozentpunkten sowie die personenbezogenen Dienstleistungen mit einem Saldo von plus 10 Prozentpunkten auf die kommenden Wochen.
Auch bei der Auftragslage, beim Umsatz, bei der Beschäftigung und bei den Investitionen dominieren zurückhaltende Erwartungen. Für das zweite Quartal 2026 rechnen 21 Prozent der Betriebe mit einer besseren Auftragslage, 61 Prozent mit einer gleichbleibenden und 18 Prozent mit einer schlechteren Entwicklung. Beim Umsatz erwarten 25 Prozent eine Verbesserung, 51 Prozent eine gleichbleibende Lage und 24 Prozent einen Rückgang. Bei der Beschäftigung rechnen 9 Prozent mit einem Aufbau, 77 Prozent mit einem gleichbleibenden Personalbestand und 14 Prozent mit einem Rückgang. Bei den Investitionen erwarten 10 Prozent steigende, 46 Prozent gleichbleibende und 44 Prozent sinkende Investitionen.
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Hintergrund
Über die Handwerkskammer Potsdam
Die Handwerkskammer (HWK) Potsdam ist eine als Körperschaft des öffentlichen Rechts organisierte Selbstverwaltungseinrichtung für die Landkreise Havelland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Prignitz, Teltow-Fläming und die kreisfreien Städte Potsdam und Brandenburg an der Havel. Sie ist die Interessenvertretung von rund 17.500 Mitgliedsbetrieben und ihren mehr als 71.800 Beschäftigten in über 125 Gewerken.
Die HWK Potsdam setzt sich für die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der Handwerksbranche ein, bündelt die Kräfte und Gemeinsamkeiten des Handwerks und bietet ihren Mitgliedsbetrieben zahlreiche Unterstützungen bei wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen. Zu den Mitgliedsunternehmen gehören Handwerksbetriebe aller Branchen; vor allem aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, Elektro und Metall, Holz, Bekleidung und Textil, Gesundheit, Reinigung sowie Nahrungsmittel.
Die HWK Potsdam bietet an ihrem Bildungs- und Innovationscampus Handwerk (BIH) Götz umfangreiche Angebote für die Weiterbildung im westbrandenburgischen Handwerk und führt in den dortigen Lehrwerkstätten auch die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung durch. Sie ist zuständig für Gesellen-, Meister- und Fortbildungsprüfungen im Handwerk.
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