eine Hand mit Stift auf einem Blatt Papier mit statistischen Auswertungen
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Handwerkskonjunktur

Getrübte Aussichten trotz voller Auftragsbücher

Zwei Jahre Corona-Pandemie, Inflation, Ukraine Krieg – seit der deutschen Wiedervereinigung war das westbrandenburgische Handwerk noch nie mit solch unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert. Umso mehr wurden die Ergebnisse der Frühjahrskonjunkturumfrage der Handwerkskammer Potsdam mit Spannung erwartet. Die Ergebnisse wurden am 27. April durch den Präsidenten der Handwerkskammer Robert Wüst und Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der HWK, der Presse vorgestellt. Die Umfrage zeigte: Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und die explodierenden Preissteigerungen lassen sich nicht wegdiskutieren. Dennoch bewerten die Handwerksbetriebe in Westbrandenburg ihre aktuelle Geschäftslage noch positiv. Trotz voller Auftragsbücher lassen die explodierenden Kosten bei Energie und Materialpreisen und der wachsende Fachkräftemangel aber die Sorgenfalten der Betriebe tiefer werden.

Robert Wüst, Präsident Handwerkskammer Brandenburg resümiert: „Trotz besserer Konjunkturdaten und steigenden Ausbildungszahlen bleiben die Herausforderungen für das westbrandenburgische Handwerk riesig. Viele Betriebe kämpfen mit hohen Energiepreisen, gestörten Lieferketten und Materialpreissteigerungen. Das Risiko von Preissteigerungen allein bei den Betrieben abzuladen ist nicht fair. Während Privatkunden Preisgleitklauseln akzeptieren, wälzen öffentliche Auftraggeber das finanzielle Risiko auf die Betriebe ab. Das dreimonatige Bekenntnis, bis Juni 2022 solche zu akzeptieren, ist keine ausreichende Reaktion auf die explodierende Kostensituation. Damit droht der Investitionsstau bei öffentlichen Vorhaben weiter zu wachsen, denn unseren Betrieben können wir nur abraten, solche Risiken einzugehen. Fakt ist auch, dass die finanziellen Mittel der Kunden endlich sind und mit steigenden Preisen die Projektumsetzungen gefährdet sind.“

Ihre aktuelle Geschäftslage schätzten 88 Prozent der Betriebe mit gut oder befriedigend ein (Vorjahr 81,3). Die schlechteste Bewertung gaben dabei die personenbezogenen Dienstleistungen (wie Friseure, Kosmetiker oder Textilreiniger) und das Gesundheitshandwerk ab. Beide Handwerksgruppen waren am meisten von den Eindämmungsmaßnahmen betroffen. Während die personenbezogenen Dienstleistungen eine signifikante Verbesserung meldeten, verschlechterte sich die Lage bei den Gesundheitshandwerkern. Die durchschnittlichen Auftragsvorläufe liegen mit 11,3 Wochen noch einmal eine Woche über dem Vorjahresniveau (10,3). Wo sich nach pandemischer Erholung Licht zeigt, bildet sich aktuell jedoch auch viel Schatten: Die Entwicklung der Einkaufs- und Verkaufspreise betrachten alle Gewerke mit großer Sorge. 84 Prozent der Befragten berichteten von gestiegenen Einkaufspreisen. Das sind noch einmal 21 Prozent mehr als vor einem Jahr. Es gibt faktisch keine Branche mehr, in der die Einkaufspreise gesunken sind.

Insgesamt haben sich die Geschäftserwartungen in allen Gewerken deutlich eingetrübt. 20 Prozent der Betriebe blicken pessimistischer in die Zukunft. Faktisch fast jeder Betrieb rechnet mit weiter steigenden Einkaufspreisen, was sich auch bei mehr als dreiviertel der Betriebe auf die Verkaufspreise auswirken wird und die Stimmung insgesamt weiter drückt. Mit Sorge werden die Auswirkungen des Ukraine-Krieges betrachtet. Das neue Tempo bei der Energiewende birgt aber auch neue Potentiale für die Betriebe und wird die Anfragen weiter erhöhen, aber auch die Fachkräftesuche für die Umsetzung verschärfen!

Link zum ausführlichen Konjunkturbericht

 

 Ansprechpartnerin

Ines Weitermann
Pressesprecherin und Teamleiterin Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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