Mehr Sicherheit mit weniger Bürokratie Forderung nach pragmatischem Arbeitsschutz, der im Handwerksalltag funktioniert
Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam und Jens Möller vom Landesinnungsverband des Tischlerhandwerks Brandenburg haben am Freitag im Sonderausschuss Bürokratieabbau des Landtages Brandenburg erneut die Sicht des Handwerks eingebracht. Auf der Tagesordnung stand diesmal der Arbeitsschutz. Einigkeit besteht, dass er notwendig ist, aber so geregelt sein, dass ihn kleine Betriebe ohne eigene Verwaltungsabteilung zuverlässig umsetzen können. In Brandenburg gibt es rund 38.000 Handwerksbetriebe, im Schnitt mit 4,1 Beschäftigten. Wenn Pflichten und Dokumentation in der Praxis wie bei Großunternehmen wirken, fehlt Zeit für das, worauf es ankommt: für die sicheren Abläufe auf der Baustelle und im Betrieb. Zeit, die für die eigentliche Arbeit fehlt.
Im Fachgespräch „Bürokratieabbau im Arbeitsschutz“ ging es deshalb um verständliche Vorgaben und digitale Verfahren, die den Aufwand senken. An Praxisbeispielen wurde deutlich, wo Bürokratie entsteht, ohne dass die Sicherheit im gleichen Maß steigt: zusätzliche jährliche UVV Prüfungen für Betriebsfahrzeuge neben HU und AU, pauschale jährliche Prüfpflichten für Leitern und Tritte unabhängig von Nutzung und Risiko sowie starre Prüffristen für Elektrogeräte, die vom Baustelleneinsatz bis zum selten genutzten Bürogerät alles gleich behandeln. Der Vorschlag: Prüfplichten nach tatsächlicher Beanspruchung und Gefährdung staffeln, mit kurzen Intervallen dort, wo Belastung hoch ist, und schlankeren Verfahren dort, wo Risiko und Nutzung gering sind.
„Wenn selbst Industriebetriebe den Vorgaben nicht mehr Herr werden, wie sollen es dann kleine und mittelständische Betriebe schaffen?“, machte Bührig deutlich. Auch eine Umstellung von Papier zu digitalen Berichtspflichten sei keine Lösung des Problems, sondern noch immer Teil unsinniger Dokumentationspflichten, ergänzte Jens Möller mit Beispielen aus der Praxis. Beide forderten aus Sicht des Handwerks dringend notwendige Augenmaß, Pragmatismus und Vertrauen in die Verantwortung der Unternehmer.