Vollversammlung Bürokratieabbau und schwierige wirtschaftliche Lage
Die Vollversammlung der Handwerkskammer Potsdam befasste sich am 15. Juni auf dem Bildungs- und Innovationscampus Handwerk (BIH) in Götz mit den zentralen Herausforderungen des Handwerks. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftliche Lage der Betriebe und konkrete Wege, Bürokratie im Handwerk abzubauen. Präsident Robert Wüst wurde deutlich: Die allgemeine Geschäftslage hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. 74,1 Prozent der Betriebe melden eine gute oder befriedigende Lage – das klingt solide, sind aber noch einmal 1,5 Prozent weniger als vor einem Jahr und der niedrigste Wert seit Jahren.
Die Weichen sind gestellt
Zum Auftakt der Sitzung sprach Marcel Penquitt, Vorsitzender des Sonderausschusses Bürokratieabbau im Landtag Brandenburg und wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD Landtagsfraktion. Penquitt stellte den Abbau bürokratischer Hürden als zentrale Voraussetzung für mehr Tempo, mehr Praxisnähe und mehr Planungssicherheit für Betriebe dar. Er sagte: „Wir müssen handeln und wir müssen schnell handeln.“ Schon jetzt habe das Land wesentliche Weichen gestellt. Leider mangele es an konkreten Umsetzungen auf der kommunalen Ebene. „Deshalb sind sie alle hier auch unsere Multiplikatoren – sprechen Sie in Ihrer Region, in der Kreishandwerkerschaft und den Verwaltungen diese Möglichkeiten konkret an“, bat er.
Denn die Anhebung von Vergabegrenzen, die Vereinfachung von Genehmigungsprozessen und die stärkere digitale Abwicklung von Verfahren seien erfolgreich angeschoben. Für das Handwerk sind das wichtige Schritte, weil sie Zeit sparen, Abläufe erleichtern und Betriebe entlasten. Im Anschluss an den Vortrag gab es Nachfragen und Hinweise aus der Vollversammlung heraus, die Penquitt für seine Arbeit mitnahm.
Positive Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt
Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig, der anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums in der Handwerkskammer Potsdam vor der Vollversammlung vom Präsidenten und den Vize-Präsidenten beglückwünscht wurde, sprach zur Situation der Handwerkskammer Potsdam. Erfreulich sei vor allem die positive Entwicklung am Ausbildungsmarkt: „Im vergangenen Jahr konnten wir mit fast 1.400 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen einen hohen Zuwachs von fast 15 Prozent erreichen. In diesem Jahr wurden zum Stichtag 31. Mai 2026 im Kammerbezirk bereits 326 neue Ausbildungsverträge registriert – noch einmal sechs mehr als im Vorjahr. Damit findet der stabile Aufwärtstrend der vergangenen Jahre eine Fortsetzung.“ Er ging dabei auch auf die jüngsten Berichte zum drohenden Unterrichtsausfall an Brandenburgs Schulen ein: „Wenn Unterricht ausfällt, wenn Stundentafeln gekürzt werden und wenn am Ende nicht einmal sicher ist, ob ein Abschluss aus Brandenburg bundesweit anerkannt wird, dann ist das nicht nur ein Problem des Schulsystems. Dann ist das ein Problem für die gesamte Wirtschaft und für die Zukunft unseres Landes.“
Aktionsprogramm Handwerk
Darüber hinaus wurden die Vollversammlungsmitglieder über die wesentlichen Punkte des kürzlich unterzeichneten Aktionsprogramm Handwerk für Brandenburg informiert. Robert Wüst sagte: „Dieses Aktionsprogramm ist kein Endpunkt, sondern ein Anfang. Es ist ein Arbeitsauftrag – an die Politik, aber auch an uns. Wir werden die Umsetzung eng begleiten, wir werden Fortschritte einfordern, und wir werden deutlich machen, wo nachgesteuert werden muss.“