Presseinformation Nr.: 80 vom 7. September 2017

Neue Studie: Hilfe bei Unternehmensübergabe immer wichtiger

- IHK, MBS und HWK stellen Studie zur Unternehmensnachfolge vor
- Fast 24.300 Unternehmensinhaber/-innen älter als 56 Jahre

Potsdam, 7. September 2017 – Der Unterstützungsbedarf  bei Unternehmensübergaben ist größer denn je. Das ist das Fazit der Studie zur Unternehmensnachfolge, die heute gemeinsam von der Industrie- und Handelskammer Potsdam, der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und der Handwerkskammer Potsdam in Potsdam vorgestellt wurde. Erstmalig wurden Unternehmen aus den Branchen Industrie, Handel, Dienstleistungen, Gastronomie und Hotellerie sowie Handwerksbetriebe zwischen Prignitz und Fläming direkt befragt. Die Professoren Dr. Enrico Sass, Fachhochschule Potsdam, und Dr. Dieter Wagner, Universität Potsdam, betreuten die Studie wissenschaftlich.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:
- Unternehmensnachfolge wird dringender, da 24.300 Inhaber/-innen von Unternehmen über 56 Jahre alt sind.
- Fast die Hälfe der Teilnehmenden hat sich mit ihrer Nachfolge noch nicht ausreichend beschäftigt.
- Das Finden eines geeigneten Nachfolgers hat hohen Stellenwert.
- Erfolg einer Übergabe wird mehrheitlich an Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter gemessen.
- Rund ein Drittel benötigt Beratung zur finanziellen Gestaltung der Übergabe.
- Gerade Kleinstunternehmen kennen Übergabemöglichkeiten nicht und schließen ihren Betrieb.

Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam: „Die Unternehmensgründer der Nachwendezeit kommen ins Ruhestandsalter. Dies zeigt der deutliche Anstieg der Zahl inhabergeführter Firmen in der Altersgruppe 56 und älter um 8 Prozent allein in den vergangenen fünf Jahren. Entsprechend steigen Bedarf und Nachfrage für unsere Nachfolgeberatungen, insbesondere bei kleinen Unternehmen. Nach der vorliegenden Studie sind zu wenige Unternehmen ausreichend für einen erfolgreichen Staffelstabwechsel vorbereitet. Ein Großteil der befragten Seniorunternehmer ist unsicher, ob es Chancen gibt, ihr Unternehmen überhaupt zu übergeben. Hier muss auch die Politik unterstützen, damit die gute wirtschaftliche Entwicklung in unserer Region keinen Schaden nimmt.“

Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam: „Die gemeinsame Studie belegt einmal mehr: Das Thema Betriebsnachfolge ist aktueller denn je. Sie zeigt, dass viele betroffene Unternehmen sich noch nicht ausreichend mit dem Thema auseinandersetzen. Andererseits sind Unterstützungsangebote für diejenigen, die im Übergabeprozess stehen, ausgesprochen wichtig. Das betrifft nicht nur große Unternehmen. Gerade die kleinen Betriebe des brandenburgischen Handwerks gilt es bei der Vorbereitung und Durchführung der Betriebsnachfolge besonders zu unterstützen. Denn für die regionale Vielfalt und Versorgung, aber auch für Ausbildung und Beschäftigung sind sie in den Regionen eine wichtige Basis.“

Andreas Schulz, Vorstandsvorsitzender der MBS:
„Unsere Wirtschaftsregion ist wie keine andere durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt - ein Großteil davon in familiärer Hand. Die Sicherung der Unternehmensnachfolge ist uns als mit der Region verwurzeltes Unternehmen und Mittelstandsfinanzierer Nr. 1 ein besonderes Anliegen. Dass Betriebe erfolgreich weitergeführt werden und Arbeitsplätze erhalten bleiben, ist eine wichtige Voraussetzung für Wachstum und Prosperität der Heimatregion.“

Prof. Dr. Dieter Wagner, Universität Potsdam:
„Unsere Erfolgsbeispiele zeigen, dass eine Unternehmensnachfolge gar nicht so schwer durchzuführen ist. Allerdings muss man „nur“ frühzeitig sensibilisieren und immer wieder die Situation und die Bedürfnisse der handelnden Personen berücksichtigen, auch, weil nichts so bleiben wird, wie es früher einmal war.“

Prof. Dr. Enrico Sass, Fachhochschule Potsdam
„Politik und Wirtschaftsförderung müssen noch mehr begreifen, dass die Förderung und Sicherstellung von Unternehmensnachfolgen zu einem sehr frühen Zeitpunkt anfängt. Hierzu gehört auch besonderes Augenmerk auf Kleinstunternehmen im ländlichen Raum zu richten und deren Bedeutung für die Gesamtwirtschaft nicht zu unterschätzen. Mit einher geht eine stärkere Verankerung von betriebswirtschaftlichen Themen während der Berufsausbildung, um Sensibilität und Begeisterung für spätere Übernahmen zu wecken.“

Veranstaltungshinweis:
Übergabeinteressierte Unternehmer/-innen und potentielle Nachfolger/-innen haben die Möglichkeit auf der Jubiläumsveranstaltung zur Unternehmensnachfolge – der 10. NEXXT-NIGHT - am 15. September 2017 in Dorint Hotel in Potsdam mehr Informationen, Expertenwissen und Erfahrungsberichte aus erster Hand rund um das Thema Betriebsnachfolge zu erhalten. Anmeldungen sind noch möglich.

Kontakt:
IHK Potsdam, Andreas Lehmann, Tel. 0331 2786-167,
E-Mail: andreas.lehmann@ihk-potsdam.de
Handwerkskammer Potsdam, Ines Weitermann, Tel. 0331 3703-120,
E-Mail: presse@hwkpotsdam.de         
Mittelbrandenburgische Sparkasse, Daniela Toppel, Tel. 0331 89-12211,
E-Mail: daniela.toppel@mbs.de

Über die Handwerkskammer Potsdam
Die Handwerkskammer (HWK) Potsdam ist eine als Körperschaft des öffentlichen Rechts organisierte Selbstverwaltungseinrichtung für die Landkreise Havelland, Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Prignitz, Teltow-Fläming und die kreisfreien Städte Potsdam und Brandenburg an der Havel. Sie ist die Interessenvertretung von rund 17.300 Mitgliedsbetrieben und ihren mehr als 70.500 Beschäftigten.
Die HWK Potsdam setzt sich für die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der Handwerksbranche ein, bündelt die Kräfte und Gemeinsamkeiten des Handwerks und bietet ihren Mitgliedsbetrieben zahlreiche Unterstützungen bei wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen.
Zu den Mitgliedsunternehmen gehören Handwerksbetriebe aller Branchen; vor allem aus dem Bau- und Ausbaugewerbe, Elektro und Metall, Holz, Bekleidung und Textil, Gesundheit, Reinigung sowie Nahrungsmittel.
Die HWK Potsdam bietet in ihrem Zentrum für Gewerbeförderung in Götz umfangreiche Angebote für die Weiterbildung im westbrandenburgischen Handwerk und führt in den dortigen Lehrwerkstätten auch die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung durch. Sie ist zuständig für Gesellen-, Meister- und Fortbildungsprüfungen im Handwerk.