Metallbau Windeck GmbH

Digitalisierung ist keine menschenleere Hülle

4. Industriekonferenz Brandenburg 2017 zeigte Größe der Aufgabe

Zugegeben, bei der letzten Frage der Auftaktdiskussion zur 4. Industriekonferenz 2017 des Landes Brandenburg am 19. Juli unter Federführung des Wirtschaftsministeriums fühlten sich die Diskutanten aus Industrie, Politik und Handwerk möglicherweise etwas überrumpelt: Moderator Gerald Meyer vom rbb wagte an die Gesprächspartner die etwas ketzerische, aber durchaus berechtigte, Frage: „Die Digitalisierung ist weiblich, aber wir haben hier wieder nur Männer im Podium. Woran liegt das?“ Beim Versuch die Frage zu beantworten, hörten besonders die anwesenden Frauen im Audimax der Technischen Hochschule Brandenburg genau hin und drückten bei der einen oder anderen Antwort ihren Unmut aus. Versöhnlich und mit viel Wahrheit versehen die Antwort von Oliver Windeck von der Metallbau Windeck GmbH. „Die Digitalisierung ist weiblich, und ohne sie können wir nicht leben!“ Besonders der zweite Teil dieser Metapher lässt sich auf die gesamte Veranstaltung übertragen, wurde einmal mehr deutlich, dass Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche und -größen, ob mit vier Mitarbeitern oder 4000 eine Jahrhundertaufgabe vor sich haben. Wenngleich die Lösungen doch immer auf die jeweilige Situation und die Bedürfnisse zugeschnitten sind, was besonders an den einzelnen Diskussionsbeiträge in den Panels deutlich wurde.

Erstmalig wurde in die Industriekonferenz in diesem Jahr auch das Handwerk eingebunden. Windeck, der in fünfter Generation einen Handwerksbetrieb führt, verwies zu Recht in der Eröffnungsdiskussion darauf, wenn man alle Betroffenen mitnehmen wolle, müsse man zuallererst die Namensgebung überdenken. Er plädierte für einen neuen Oberbegriff unter dem Titel Wirtschaftskonferenz. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber nahm den Ball auf, die Aufgabe einer sich ändernden Kommunikation betreffe auch die Landesregierung. Das Thema Digitalisierung sei schließlich kein reines Wirtschafts-, sondern ein ressortübergreifendes Thema.

Herzstück bleiben Mitarbeiter und Unternehmer

Das wichtigste Fazit der Veranstaltung lässt sich mit einem Satz ziehen: Die Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital, will man die Herausforderungen stemmen. Darin sind sich wirklich alle einig. Damit einher geht aber die große Aufgabe, der Belegschaft die „Digital Angst“, wie es ein führender Manager eines Telekommunikationsunternehmens einmal nannte, zu nehmen. Frank Motejat von der Automothor GmbH in Brandenburg umschreibt das Rezept dafür mit drei Schlagworten: Schulung, Motivation und Emotionalität. Für ihn ist klar, wer sich dem Problem nicht stellt, hat keine Überlebenschancen im Wettbewerb. Die Größe des Unternehmens spielt da seiner nach Meinung keine Rolle. Er ist überzeugt, dass man bei den Mitarbeitern ein „digitales Freudenfeuer“ entfachen müsse. Nur so sei es möglich, alle Mitarbeiter, unabhängig vom Alter, in die Veränderungsprozesse einzubeziehen und die Angst vor Wegrationalisierung zu nehmen.

Die Implementierung von Soft- und Hardwaresystemen zur Optimierung von Geschäftsprozessen sei das eine. Nicht nur für das Handwerk spiele auf der anderen Seite die verfügbare Manpower für die zu vollziehenden Schritte eine ganz wesentliche Rolle. Die anwesenden Handwerksvertreter verdeutlichten an ihren Beispielen, wie sie sich der Aufgabe stellen. Für Oliver Windeck ist die Digitalisierung ein Muss. „Dokumentenmanagementsysteme, Nachvervollgung von Projekten, Lagerhaltung, usw. - all dies sind Themen, denen wir uns stellen müssen, ob es uns nun passt oder nicht. Gehen wir den digitalen Weg nicht mit, wird seitens der Kunden unsere Arbeitsfähigkeit in Frage gestellt. Will man das? Nein!“ Er forderte in diesem Zusammenhang, den Bildungsträgern eine bessere Unterstützung zukommen zu lassen, um weitere Qualifizierung zu ermöglichen. „Den Weg der Digitalisierung im Betrieb zu gehen, ist eine Riesenchance, Mitarbeiter zu halten – gerade in Zeiten, in denen wir um jeden Mann und jede Frau kämpfen müssen. Die Souveränität der Mitarbeiter wächst, aber auch ihre Flexibilität, die sie mit den digitalen Möglichkeiten bei der Gestaltung der eigenen Arbeit haben. Das ist ein wichtiges, nicht zu unterschätzendes, positives Moment auch im Handwerk.“

Olaf Thonke, Geschäftsführer der Bäckerei Thonke, nutzte seinen ersten Besuch auf einer solchen Konferenz, um sich zu informieren: „Ich bin mir bewusst, dass meine individuellen Probleme hier nicht gelöst werden können. Aber ich bin froh, dass ich die Zeit für diese Veranstaltung investiert habe. Denn die Anregungen und Erfahrungen aus dem direkten Austausch hier kann ich mitnehmen, überdenken und in meinem Betrieb individuell umsetzen.“

Dass gerade die kleinen Betriebe Unterstützungsbedarf haben, macht Wirtschaftsminister Gerber einmal mehr deutlich. Sein Appell, das Selbstverständnis für die Notwendigkeit zu wecken, geht aber an alle Zuhörer unabhängig von der Unternehmensgröße. Den Nutzen digitaler Instrumente in den Fokus zu stellen, sei das Gebot der Stunde, ob bei der technischen Umsetzung oder der eigenen Webseite. Die guten Beispiele, die die Konferenz aufzeige, stimmten hoffnungsvoll, doch müsse man auch die Umsetzungsprobleme und Schwierigkeiten im Blick haben und diese offen benennen. Nur so könne man lernen. Mit Blick auf das Handwerk betont er: „Für kleine Betriebe ist es sehr viel komplizierter, sich auf digitale Innovationen einzulassen. Ihre Personaldecke ist dünn, das Tagesgeschäft wiegt schwer. Oft fehlt es schlichtweg an zusätzlichen Ressourcen.“ Deshalb biete die Landesregierung insbesondere kleinen und mittleren Firmen Unterstützung an, verspricht der Minister ein neues geplantes Angebot - eine Anlaufstelle speziell für kleine Handwerksfirmen. Und auch nach der Überarbeitung der Brandenburgischen Innovationsgutscheine sollen kleine Unternehmen noch besser unterstützt werden, Digitalisierungsprojekte vorzubereiten und umzusetzen.

Welche aktuellen Aus- und Weiterbildungsangebote die Handwerkskammer Potsdam im Zentrum für Gewerbeförderung Götz bereits anbietet, stellten die Bildungsberater im Verlauf der Konferenz vor. Dazu gehören beispielsweise KNX-Kurse .

 

Kostenfreie Digitalisierungsberatung der Handwerkskammer Potsdam

Dr. Maria Baumann-Wilke
Beauftragte für Innovation und Technologie (BIT)

Tel. +49 33207 34-205
Fax +49 33207 34-333
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Impressionen von der Industriekonferenz Brandenburg 2017 in der Technischen Hochschule Brandenburg

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