Der Mikrokredit Brandenburg

Für Gründer und Jungunternehmer

Das Land Brandenburg bietet kleinen und mittleren Unternehmen den „Mikrokredit Brandenburg“ an. Die Betriebe sollen so unkompliziert mit „kleinem Geld“ versorgt werden. Maximal 25.000 Euro gibt es zu günstigen Konditionen. Die J. Müller Innenausbau GmbH gehört zu den ersten Antragstellern.



Gern zeigen Joachim Müller und Gunnar Liesenberg ihre „Neuanschaffung“: die Werkshalle der J. Müller Innenausbau GmbH am neuen Firmensitz in Blankenfelde-Mahlow. 1300 Quadratmeter, geräumig und hell. Und ganz wichtig: Es ist eine Holzkonstruktion. „Eben so, wie es für Tischler sein muss“, sagt Gunnar Liesenberg, einer der beiden Geschäftsführer. Investitionen von rund 800.000 Euro stecken in dem Neubau. Im Februar dieses Jahres ist die J. Müller Innenausbau GmbH – bekannt als „Die Berliner Tischler“ – ins Brandenburgische gezogen. Raus aus einer 500 Quadratmeter kleinen Halle in Berlin.



Mikrokredit1
Ute Sommer



Der Umzug mit dem kompletten Maschinenpark, zu dem auch modernste Fünf-Achs-CNC-Maschinen gehören, hat einige Wochen gedauert. Zeit, in der die Produktion in der Tischlerei stillstand. Um die Liquidität des Betriebs aufrechtzuerhalten, haben „Die Berliner Tischler“ einen Mikrokredit über einen fünfstelligen Betrag aufgenommen. Der Hinweis auf diese Förderung sei von der Handwerkskammer Potsdam gekommen, berichtet Liesenberg. Sie habe auch dabei geholfen, die Formulare für den Antrag aufs Darlehen auszufüllen. „Das war eine relativ schlanke Nummer“, meint Liesenberg. Was die beiden Chefs und Tischlermeister vor allem überzeugt hat, sind die Konditionen des Darlehens. Der Zinssatz liegt bei 1,77 Prozent. Die Laufzeit des Kredits beträgt bis zu fünf Jahre. „Das ist eine echte Hilfe fürs Unternehmen“, sagt Joachim Müller. Er leitet seit fast zwei Jahrzehnten den Betrieb, der für Privat- und Firmenkunden Möbel nach Maß anfertigt und Aufträge für innovativen Innenausbau übernimmt. Das Zehn-Mann-Unternehmen hat beispielsweise im Potsdamer Hasso-Plattner-Institut und in der Staatsbibliothek Berlin seine Spuren hinterlassen.

Wie die Berliner Tischler wollten bisher 114 Betriebe in Brandenburg einen Mikrokredit in Anspruch nehmen. So viele Anträge lagen nach Angaben der Investitionsbank des Landes Brandenburg ILB bis Ende August vor. Bewilligt wurden bereits 29 Anträge mit einem Volumen von insgesamt fast 650.000 Euro. Auszahlungen gab es bei 14 Anträgen im Wert von zusammen 315.000 Euro, so die ILB, die das Kreditprogramm umsetzt. 18 Anträge mussten abgelehnt werden.

„Der Mikrokredit wird sehr gut von der Wirtschaft angenommen“, sagt Matthias Haensch von der ILB. Er betont, dass sich die Zusammenarbeit mit den Kammern und dem Wirtschaftsministerium als fachkundige Stellen aus Sicht der ILB „unbürokratisch und problemlos“ gestalte. Betriebe, die einen Mikrokredit haben wollen, brauchen für ihr Vorhaben eine Stellungnahme der jeweils zuständigen Kammer. Bei den Tischlern aus Blankenfelde-Mahlow war es die Handwerkskammer Potsdam. Zwei Monate nach deren positiver Beurteilung bekam die Firma das Geld. Liesenberg konstatiert: „Da gibt’s nicht zu meckern.“

Etwa ein Drittel der Anträge auf einen Mikrokredit entfallen auf das brandenburgische Handwerk, schätzt Michael Burg, Abteilungsleiter Betriebsberatung/Wirtschaftsförderung bei der Potsdamer Kammer. Bei der Antragstellung möge zwar auch Bürokratie dabei sein, aber der Aufwand würde sich für die Unternehmen lohnen. Schließlich seien die Zinskonditionen sehr günstig und eine Besicherung des Darlehens, wie sie sonst die Hausbank verlangen würde, sei nicht nötig. Burgs Urteil über den Mikrokredit: „Dahinter steht ein schlüssiges Konzept.“

(Ute Sommer)



Beantragt werden kann ein verzinsliches Kleindarlehen ab 2000 Euro bis maximal 25.000 Euro. Der Kredit wird komplett in einer Summe ausgezahlt. Die Tilgung erfolgt in monatlichen Raten, die flexibel gestaltet werden können. Die Laufzeit beträgt bis zu fünf Jahre. Es fallen keine Bearbeitungsgebühren an.
Zur Antragstellung wird eine Stellungnahme der Handwerkskammer benötigt, die der Kreditentscheidung der ILB zu Grunde gelegt wird. Die Abteilung Betriebsberatung der Handwerkskammer Potsdam hilft Antragsstellern gerne weiter.



Dr. Michael Burg

Abteilungsleiter Betriebsberatung/Wirtschaftsförderung

Charlottenstraße 34-36
14467 Potsdam
Tel. +49 331 3703-170
Fax +49 331 3703-8170
michael.burg--at--hwkpotsdam.de