HWK - Götz Aufnahmedatum: 19.04.2009 Schlagwort(e): HWK - Götz
Lutz Hannemann, www.foto-hannemann.de
HWK - Götz Aufnahmedatum: 19.04.2009

Bildungsmaßnahmen und Prüfungen ausgesetzt

Auswirkung auf die Ausbildung, Stand: 31.03.2020

Die Corona-Pandemie wirft viele Fragen auf. Dazu gehört auch, wie es mit Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Handwerk weitergeht. Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengefasst:



Lehrgänge der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und Fortbildungsaktivitäten

Mit der Schließung der überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks am 18. März 2020 im Land Brandenburg wurden die Empfehlungen des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS) umgesetzt. Zunächst bis zum  19. April wurde der Lehrgangsbetrieb für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung und für viele Fortbildungsaktivitäten eingestellt. Die abgesagten Lehrgänge sollen schnellstmöglich nachgeholt werden.

Betroffen hiervon sind im Handwerkskammerbezirk Potsdam nachfolgende überbetriebliche Bildungsstätten:

  • Handwerkskammer Potsdam, Zentrum für Gewerbeförderung Götz
  • Berufliches Qualifizierungszentrum des Handwerks Verein für Berufsbildung e.V.
  • Bauzentrum und Lehrbauhof der Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming
  • Lehr- und Ökobauhof Niederbarnim e.V
  • Berufsförderungswerk e.V. des Bauindustrieverbandes Berlin-Brandenburg ÜAZ Bauwirtschaft Brandenburg/Havel – Friesack
  • Verein zur Förderung der Aus- und Weiterbildung im Schornsteinfegerhandwerk des Landes Brandenburg
  • IGV Institut für Getreideverarbeitung GmbH Bergholz-Rehbrücke
  • Augenoptiker-und Optometristeninnung des Landes Brandenburg

Sollten für den entsprechenden Ausbildungsberuf andere als die o. g. überbetrieblichen Bildungsstätten vorgesehen sein, wenden Sie sich bitte entsprechend an diese, um ggf. nachzufragen, ob geplante Lehrgänge der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung stattfinden werden.

Weiterführende Informationen zur überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung nach Ausbildungsberufen finden Sie unter www.hwk-potsdam.de/berufe.



Pflicht zur Ausbildung

Die Zielstellung der Berufsausbildung nach § 1 Berufsbildungsgesetz (BBiG) – Erwerb der beruflichen Handlungsfähigkeit – bleibt von der aktuellen Situation grundsätzlich unberührt. Die entsprechenden Pflichten für Ausbildungsbetriebe nach § 14 BBiG und für Auszubildende nach § 13 BBiG bleiben weiterhin bestehen. Die Ausbildung im Betrieb wird also fortgesetzt. Den Gesetzestext finden Sie unter www.gesetze-im-internet.de.

Grundsätzlich darf ein Auszubildender die Ausbildung nicht verweigern, etwa weil die Ansteckungsgefahr im Betrieb oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Im Einzelfall kann der Ausbilder bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht jedoch verpflichtet sein, den Auszubildenden von der Ausbildung freizustellen oder anzuweisen, Teile der Ausbildung (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises) von zu Hause aus zu erledigen.

Sollte sich der Ausbildungsbetrieb in einer Notlage befinden, die den Ausbilder über die Kündigung des Ausbildungsvertrages nachdenken lässt, sollte in dieser Situation besonnen  reagiert werden. Die Entscheidung hat eine juristische und soziale Komponente und ist gemäß § 22 BBiG nur unter sehr engen Voraussetzungen zulässig. Die Situation sollte im Betrieb mit den Auszubildenden (bei minderjährigen Auszubildenden gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten) besprochen werden. Dabei sollte berücksichtigt werden, wie schwer die Suche nach einem geeigneten Auszubildenden war und welche weiteren Optionen (z. B. Kurzarbeit) möglich sind. Auch hier steht die Handwerkskammer Potsdam beratend mit den Ausbildungsberatern zur Seite.



Unterricht an Oberstufenzentren

Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) des Landes Brandenburg hat den Unterrichtsbetrieb auch für die Oberstufenzentren in Brandenburg für den Zeitraum vom 18. März 2020 bis zum 19. April 2020 untersagt. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie unter: https://mbjs.brandenburg.de

Für Auszubildende bedeutet dies, dass in diesem Zeitraum kein Berufsschulunterricht stattfindet. Daraus ergibt sich, dass Auszubildende entsprechend der Regelungen und Vorgaben ihres Ausbildungsvertrages und in Absprache mit ihren Ausbildern im Betrieb ausgebildet werden (vgl. Rundschreiben des MBJS vom 15. März 2020, Punkt 2 – Buchstabe L; https://mbjs.brandenburg.de).

Betrieben wird empfohlen, sofern die Auszubildenden noch Aufgabenstellungen aus dem Berufsschulunterricht erhalten haben, für deren Bearbeitung entsprechende Zeiten im Betrieb einzuräumen.



Prüfungstermine

In Umsetzung der Empfehlung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS) hat die Handwerkskammer Potsdam festgelegt, bis zum 19. April 2020 grundsätzlich keine Gesellen-, Abschluss-, Fortbildungs- und Meisterprüfungen durchzu-führen. Die davon betroffenen Prüfungstermine sollen nach Möglichkeit zeitnah neu festgelegt werden.

Prüfungstermine, die nach dem 19. April 2020 regulär angesetzt werden, sollten nach derzeitigem Stand möglichst durchgeführt werden, damit der dringend benötigte Führungskräftenachwuchs zeitnah in den Betrieben zur Verfügung steht.

Alle Prüfungsteilnehmer werden rechtzeitig über die neu geplanten Prüfungstermine informiert.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die zuständige Innung bzw. Kreishandwerkerschaft. Die für Ihre Gesellen- und Abschlussprüfung  relevante Organisation finden Sie unter Berufe A-Z. Sollte Ihr Ausbildungsberuf darin nicht aufgelistet sein, wenden Sie sich bitte an die Handwerkskammer Potsdam (Ansprechpartner: Herr Robert Schlünz, Tel.: 0331 3703-192, E-Mail: robert.schluenz@hwkpotsdam.de).



Verlängerung des Berufsausbildungsverhältnisses

Auszubildende, die bis zu ihrem Prüfungsabschluss in der Ausbildung verbleiben möchten, können bei der Handwerkskammer Potsdam die Verlängerung des Ausbildungsverhältnisses bis zum nächsten Prüfungstermin beantragen.

Ausbildungsbetriebe haben bei der Entscheidung über den Verlängerungsantrag ein Anhörungsrecht. So kann auch der Ausbildungsbetrieb bei der Frage der Verlängerung des Ausbildungsverhältnisses seine Belange einbringen. Auf diese Weise sind sowohl die Auszubildenden als auch die Ausbildungsbetriebe in die Entscheidung eingebunden.

Angesichts der aktuellen Situation liegen die Voraussetzungen für eine Verlängerung von Ausbildungsverhältnissen regelmäßig vor.  Die Entscheidung obliegt als zuständiger Stelle der Handwerkskammer.



Auszubildende in Kurzarbeit

Auszubildenden gegenüber kann in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hierbei hat er beispielsweise folgende Möglichkeiten:

  • Umstellung des Ausbildungsplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte
  • Versetzung in eine andere Abteilung
  • Rückversetzung in die Lehrwerkstatt
  • Durchführung besonderer Ausbildungsveranstaltungen

Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. Besonders für Handwerksbetriebe kann die Umsetzung der o. g. betrieb-lichen Möglichkeiten schwierig sein. Die Option „Kurzarbeit für Auszubildende“ ist allerdings begrenzend zu handhaben.

Sollte Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet werden, haben sie Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen.

Bitte wenden Sie sich mit diesen Anfragen an den Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit.

Detailliertere Informationen finden Sie unter dem Punkt “ Kurzarbeit“ im Corona-Wegweiser der Handwerkskammer Potsdam.



Ausbilder in Kurzarbeit

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden, da der Betrieb gewährleisten muss, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber dem Auszubildenden nachkommt. Werden die Auszubildenden mangelhaft oder gar nicht ausgebildet, kann ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen.

Detailliertere Informationen finden Sie unter dem Punkt “ Kurzarbeit“ im Corona Wegweiser der Handwerkskammer Potsdam.