"Konjunkturpause" im 1. Quartal, aber viel Hoffnung
Obwohl sich das Handwerk 2009 insgesamt recht gut gegen die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise behaupten konnte, stagniert die Konjunktur im Potsdamer Handwerk im 1. Quartal 2010 und legt eine Pause ein. Die aktuellen Umfragewerte zeigen keine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Frühjahr 2009. Nicht nur die Wirtschaftskrise, sondern auch der extrem lange Winter 2009/2010 haben ihre Spuren in der konjunkturellen Entwicklung des ersten Quartals hinterlassen. Der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage mit Gut und Befriedigend bewerten, stieg nur um ein Prozent. D.h. 64 Prozent sprechen aktuell von einer guten/befriedigenden Geschäftssituation.
Betrachtet man den Geschäftslagensaldo (Differenz aus positiven und negativen Antworten), dann gibt es insgesamt eine leichte Verschlechterung von minus 8,6 auf minus 9,5 Prozentpunkte. Dahinter stehen jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Den negativsten Wert erreicht das Bauhauptgewerbe mit einem Saldo von minus 32,9 Prozentpunkten, gefolgt vom Kfz-Handwerk mit minus 19,2 Prozentpunkten. Eine bemerkenswert positive Entwicklung gibt es demgegenüber bei den Gesundheitshandwerken mit einem Geschäftssaldo von plus 21,4 Prozentpunkten.
Die Auftragslage der Betriebe hat sich im Vorjahresvergleich nicht grundlegend verändert. Nach wie vor liegt der Saldenwert von positiven bzw. negativen Einschätzungen im Minusbereich, hat sich aber im Vergleich zu 2009 um 11 Prozentpunkte verbessert. Der Saldo lag im ersten Quartal 2009 bei minus 41 Prozentpunkten, aktuell sind es minus 30.
42 Prozent berichten von gesunkener Nachfrage, das sind 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Nur 12 Prozent berichten von gestiegener Nachfrage. Die durchschnittliche Betriebsauslastung liegt mit 66 Prozent auf Vorjahresniveau. Mehr als ein Drittel der Befragten konnte die betrieblichen Kapazitäten höchstens zu 50 Prozent auslasten.
Auch die Umsatzentwicklung zeigt kein positiveres Bild als 2009. Wiederum mussten mehr als die Hälfte der Befragten Umsatzeinbrüche hinnehmen. Belastend auf die Umsatzentwicklung wirken sich neben der Nachfrageflaute auch die sinkenden Verkaufspreise aus. Nur 13 Prozent der befragten Unternehmen ist es gelungen, gestiegene eigene Kosten auch an die Kunden weiterzugeben. 18 Prozent der Handwerker haben sogar ihre Angebotspreise senken müssen.
Das Potsdamer Handwerk erwies sich im 1. Quartal 2010 erneut als Stabilitätsfaktor auf dem Brandenburger Arbeitsmarkt. Für drei Viertel aller Befragten lautete die Devise: Personal halten. Wie im Vorjahr nutzte man das Arbeitsmarktinstrument der Kurzarbeit, um Fachkräfte nicht entlassen zu müssen. 14 Prozent der befragten Betriebe befanden sich zum Zeitpunkt der Umfrage in Kurzarbeit, die Mehrzahl davon stammt aus dem Bauhauptgewerbe.
Auch die Besetzung freier Lehrstellen wird zunehmend schwieriger. So sank die Zahl der im Kammerbezirk neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge im Jahr 2009 gegenüber 2008 um 7 Prozent. Die Diskrepanz zwischen freien Lehrstellen und geeigneten Bewerbern wird nicht zuletzt aufgrund der sinkenden Schulabgängerzahlen immer größer. Die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Potsdam ist derzeit so gut gefüllt wie noch nie. Mit dem Stichtag 1. April enthielt sie 622 Lehrstellenangebote vom Bäcker bis zum Elektroniker.
Nach wie vor bereitet vielen Betrieben das Zahlungsverhalten ihrer Kunden Probleme. Nach einer Umfrage von Creditreform beurteilen nur 41 Prozent der Handwerksbetriebe das Zahlungsverhalten ihrer Kunden mit gut und nur 51 Prozent bescheinigen ihren Kunden das ausreichend schnelle Begleichen von Rechnungen.
Ein weiteres Problem sind Forderungsverluste. 2009 mussten 19 Prozent der Firmen Forderungsausfälle von mehr als einem Prozent und 43 Prozent von bis zu einem Prozent ihres Umsatzes hinnehmen. Da jeder dritte Betrieb mit einer zu niedrigen Eigenkapitalquote ausgestattet ist, sind Forderungsverluste ein wesentlicher Grund für erhöhte Insolvenzanfälligkeit.
Aussichten und Erwartungen
Trotz eines schwachen Starts ins Jahr 2010 zeigen alle Vorschauwerte gegenüber dem Vorjahr deutlich positivere Erwartungen an das 2. Quartal. Immerhin rechnet fast jeder Dritte (31 Prozent) mit einer Verbesserung seiner Geschäftslage. Nur die Wenigsten (17 Prozent) erwarten eine Verschlechterung. Alle Branchen rechnen mit einem teilweise deutlichen Anstieg der Nachfrage. Steigende Umsätze prognostizieren 28 Prozent der Befragten.
Dieser allgemeine Optimismus widerspiegelt sich in der geplanten Personalentwicklung. Die absolute Mehrheit (86 Prozent) will die Mitarbeiterzahl konstant halten; 8 Prozent beabsichtigen zusätzliches Personal einzustellen. Die meisten Neueinstellungen plant das Baugewerbe, in dem es jedoch in den Monaten zuvor die meisten Entlassungen gab.
Erweiterungsinvestitionen, die als Indikator für wirtschaftlich starke Zeiten gelten, werden aber immer noch vermisst. Es dominieren die für das operative Geschäft notwendigen Ersatzinvestitionen. Nur 12 Prozent planen mehr zu investieren als in den letzten Monaten.