Rede zur Vollversammlung am 8. Dezember 2008, Vizepräsident Jürgen Rose
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
es ist kaum auszuhalten, wie die deutsche Wirtschaft und damit auch unsere Handwerkswirtschaft in den letzten Wochen durch die Medien schlecht geredet wurde: Krise, Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Rezession ... Den Schreibern solch „netter" Artikel fallen sicher noch mehr und bessere Begriffe ein.
In der deutschen Geschichte gab es ständig ein Auf und Ab. Leider sind wir Handwerker immer von solchen äußeren Einflüssen betroffen und trotzdem: Handwerk ist heute und auch künftig das stabilste Element in der deutschen Wirtschaft.
Sicher - das muss ich einräumen - werden auch einige Handwerksbetriebe negativ von den gegenwärtigen Tendenzen in der Wirtschaft betroffen sein. Ich bin davon überzeugt, dass es jedoch immer auch wieder einen Anfang gibt.
Von dieser Stelle aus rufe ich Sie auf, von den verschiedenen Maßnahmepaketen der Bundesregierung und des Landes tatsächlich Gebrauch zu machen! Ein alter Spruch lautet sinngemäß, dass man, wenn die Wirtschaftslage schlecht ist, investieren sollte, um dann, wenn es wieder bergauf geht, besser gerüstet zu sein.
Mir ist bewusst, dass diese Sichtweise vielen schwer fällt. Schließlich möchte man ja sein sauer verdientes Geld nicht dem verschwundenen Geld hinterherwerfen. Trotzdem geht es jetzt darum zu zeigen, dass das Handwerk wirklich ein stabiler Faktor ist. Letztlich ist das unsere Zukunft.
Nun wird sicher mancher denken, dass die Zeitungen oder das Fernsehen nichts Konkretes über beschlossene Programme bringen. Doch hier möchte ich einwerfen, dass der Internetauftritt der Handwerkskammer allen zur Verfügung steht. Die wichtigsten Förderprogramme der jüngsten Zeit sind hier veröffentlicht. Diese können Sie ausdrucken und damit zu den zuständigen Stellen - gegebenenfalls auch mit Hilfe der Handwerkskammer - gehen, um notwendige Mittel zu beantragen.
Nur eines möchte ich auch hier sagen: Wer schon vor der proklamierten Finanzkrise keine Kredite bekommen hat, wird sicher auch jetzt keine bekommen. Ich denke, das ist aus der Sicht derjenigen, die keine Kredite benötigen oder entsprechende Ratingverfahren gut durchlaufen, durchaus gerecht.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
der Vorstand der Handwerkskammer hat sich in den letzten Sitzungen mit wesentlichen Dingen beschäftigt, die die Zukunft dieser Institution und die Zukunft der Handwerkswirtschaft betreffen. Eines der Themen war das Image des Handwerks.
Wir haben zu Beginn dieser Vollversammlung einen Film dazu gesehen. So oder in ähnlicher Art und Weise wird die Imagekampagne, die wir Ende nächsten Jahres starten, aussehen. Lassen Sie die Bilder noch einmal auf sich wirken. Wir denken, dass wir damit genau die Bevölkerungsgruppe ansprechen, die künftig das Geschehen in den Handwerksbetrieben beeinflussen werden. Das sind vor allen Dingen junge Leute.
Natürlich brauchen wir Nachwuchs in den Betrieben und trotzdem ist es schon bemerkenswert, dass wir auf unseren Internetseiten über 180 offene Lehrstellen für dieses Jahr und bereits jetzt mehr als 110 offene Lehrstellen für nächstes Jahr registriert haben. Es ist klar, dass Nachwuchskräfte in den eigenen Betrieben am besten ausgebildet werden. Doch brauchen wir auch Leute, die von außen auf uns zukommen und wir müssen außerdem unseren Mitarbeitern Optimismus und Kraft vermitteln. Auf sie kommt es an!
Die Betriebsinhaber, die Meister sind meist nicht selbst direkt vor Ort. Sie verlassen sich auf ihre Mitarbeiter, auf die sie letztlich angewiesen sind. Ein gesundes Betriebsklima hilft auch, die Imagekampagne besser durchzusetzen. Image des Handwerks ist Image des gesamten Berufsstandes, aller Beteiligten. Und nicht zuletzt deshalb werden wir die Imagekampagne, die für uns gemacht wird, auch gemeinsam bestreiten müssen.
Zum Image des Handwerks gehört an erster Stelle, dass wir unseren Mitarbeitern auch Lehrgänge anbieten, die Ihre Handwerkskammer selbst produziert. Natürlich sind diese nicht kostenlos, aber sie vermitteln den Mitarbeitern Wissen, das Sie teilweise zurzeit nicht haben.
Materialien, Technologien verändern sich. Wenn Mitarbeiter darin eingeweiht sind, werden sie Kunden besser bedienen können. Auch das ist Bestandteil der Imagekampagne.
Die Handwerkskammern Deutschlands - das heißt also 54 Institutionen - werden diese Kampagne finanzieren, denn ohne Geld wird auch diese nicht gemacht. Und wenn Sie Ende nächsten Jahres, Anfang übernächsten Jahres unsere Fernsehspots sehen, Plakatwerbung sehen, Zeitungswerbung sehen und vieles andere mehr, werden Sie erkennen, dass das so in Ordnung ist.
Wir müssen in der Bevölkerung und in der Politik auch bemerkt werden und das gilt nicht nur für die Handwerkskammer Potsdam, das gilt für alle mehr als 960.000 Handwerker in Deutschland. Die Kammern haben hier vieles vor und arbeiten zumeist mit dem Internet. Lassen Sie es also nicht links liegen, sondern schauen Sie sich die Seiten an, die hier für Sie aufbereitet werden. Das sind Informationen, die aktuell sind und die unser Leben ausmachen.
Natürlich weiß ich, dass es viel über die neue Generation, die uns aus den Schulen übergeben wird, zu sagen gibt. Selbst Lehrer sagen mittlerweile - obwohl sie etwas anderes schriftlich bekunden -, dass die Schüler nicht ausbildungsfähig sind. Widerspruchsgeist, Depressionen, fehlendes Durchhaltevermögen, Fußballkrankheiten und angewachsene Basecapes sind Eigenschaften, die heute einen Schüler auszeichnen. Damit müssen wir fertig werden.
Die drei Handwerkskammern des Landes Brandenburg haben erst vor kurzem mit dem Minister für Bildung, Jugend und Sport, Herrn Rupprecht, darüber gesprochen. Im Prinzip wurden unsere Klagen bestätigt, aber - auch das muss ich sagen - wir haben nur diese Schüler, die künftig auch Lehrlinge werden wollen. Wir haben nicht nur einen Ausbildungsauftrag, sondern wir haben auch einen Erziehungsauftrag.
Aber es gibt nicht nur schlechte Lehrlinge! Es wäre falsch, so etwas zu behaupten. Beim jährlichen Leistungsvergleich gibt es aus unserem Kammerbezirk 2 Bundessieger und 12 Landessieger vorzuweisen. Das sind hervorragende Leistungen, aber es sind auch hervorragende Handwerksbetriebe, die ihre Aufträge richtig verstanden haben. Ich denke, das ist bemerkenswert und sollte für jeden Unternehmer, der Lehrlinge einstellt, Ansporn sein.
¿Angesichts der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise brauchen wir solche guten Beispiele beruflichen Engagements, um wieder mehr Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft zu gewinnen", sagte kürzlich Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.
Ich möchte Sie weiterhin über einige Aktionen informieren, die kürzlich über unsere Schreibtische gegangen sind:
Das Brandenburger Regierungskabinett hat am 25. November beschlossen, dass die Einrichtung eines Einheitlichen Ansprechpartners gemäß der Dienstleistungsrichtlinie, über die wir an dieser Stelle schon mehrfach berichtet haben, durch das Wirtschaftsministerium aufgebaut wird. Im Land Brandenburg wird es demzufolge also nur eine Anlaufstelle für Unternehmer, insbesondere aus dem Ausland, geben. Wir halten das für durchaus sinnvoll und unsere Mitarbeiter sind mit unserem Leistungsangebot mit diesem Einheitlichen Ansprechpartner in Kontakt.
Wir denken, dass uns mit dieser Entscheidung in wesentlichem Umfang Kosten erspart bleiben.
Unabhängig davon betreiben wir in Potsdam natürlich weiterhin unsere Anlaufstelle für Gründer und arbeiten hier eng mit den Kreishandwerkerschaften zusammen. Nicht verkannt werden darf dabei, dass natürlich die Mitarbeiter, die in Potsdam sitzen, über ihre Wege viele Möglichkeiten haben, um Gründer entsprechend zu beraten.
Um es vorweg zu sagen: Aus Datenschutzgründen wird es auch künftig nicht möglich sein, eine direkte Vernetzung der Kreishandwerkerschaften mit der Handwerkskammer aufzubauen, zumal die Verwaltung der Kreishandwerkerschaften monatlich aktuell die jeweiligen Bestände ihrer Kreishandwerkerschaft übermittelt bekommen. Die Innungsmitglieder werden weiterhin nur von den Kreishandwerkerschaften erfasst, nicht jedoch von uns. Über die Vereinbarungen, die zwischen der Handwerkskammer und den Kreishandwerkerschaften getroffen wurden, bekommen wir ausreichende Informationen.
Ich darf Sie weiterhin darüber informieren, dass wir erst vor kurzem eine Stellungnahme des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks zur neuen Antidiskriminierungsrichtlinie der Europäischen Union erhalten haben. Auch das war schon öfter Gegenstand der Informationen, die Sie hier erhalten haben.
Toll finde ich natürlich die Ideen, die aus den Amtsstuben von Herrn Müntefering und Frau Nahles kommen: Die SPD will bei allen Bürgern punkten. Ein 500-Euro-Geschenkgutschein ist doch etwas Schönes! Aber die Gefahr liegt beim Mitnahmeeffekt und - was viel wichtiger ist - es ist ein Geschenk zu Lasten der kommenden Generation. Der jetzt schon bei weitem überschuldete Staatshaushalt wird damit noch negativ-trächtiger.
Im Handwerk wird zwar der plötzliche eventuelle Boom befürwortet, aber er ist kurzfristig. Langfristig erwarten wir - um tatsächlich die Bürger zu entlasten - zum Beispiel die Halbierung des Mehrwertsteuerbetrages oder die Verbesserung der steuerlichen Anerkennung von Handwerkerleistungen in den Einkommenssteuererklärungen der Bürger.
Der neue Richtlinienvorschlag ist wiederum ein Beleg für die Regulierungswut der Europäischen Kommission.
Gerade kleine und mittlere Unternehmen - also auch wir Handwerker - werden dadurch über Gebühr belastet. Für uns wird immer klarer, dass wir - trotz des Einsatzes von Herrn Stoiber in Brüssel, der die Bürokratie abbauen soll - nicht in der Lage sind, das Dickicht der Regelungswerke zu durchschauen. Unklare Regelungen und unbestimmte Rechtsbegriffe potenzieren die Rechtsunsicherheit zusätzlich. Zudem besteht die Gefahr, dass ein Übermaß an Antidiskriminierungsregelungen nicht integrierend wirkt, sondern faktisch zu einer Ausgrenzung von Personen mit Diskriminierungsmerkmalen beiträgt.
Sie erhalten monatlich ein Magazin, das natürlich nicht so schnell sein kann wie das Internet, doch denken wir, dass die Gesamtheit der Informationen den Unternehmen weiterhelfen.
Meine Damen und Herren,
noch ein Wort zu dem von uns allen mehr oder weniger bekannten Solidaritätszuschlag: Uns ist schon klar, dass dieser Solidaritätszuschlag, wenn er zentral steht - also von der Bundesregierung eingenommen wird - nur zu einem Teil wirklich für den Aufbau Ost verwendet wird. Trotzdem fordern wir die Einhaltung der diesbezüglichen Beschlüsse, in denen der Aufbau Ost auch mittels des Solidaritätszuschlages bis 2019 fest vereinbart ist. Mit der teilweisen Kürzung der Ausgaben aus dem Solidaritätsfonds für die neuen Bundesländer belastet der Bund auch Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Letztlich wäre eine Senkung des Solidaritätszuschlages auf reale Werte gleichzeitig der Startschuss für eine Einkommenssteuerreform, die schon längst überfällig ist. Eine Steuererklärung auf dem Bierdeckel, wie von Herrn Merz immer wieder gefordert, ist freilich eine Illusion. Aber weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in die Bürger sind auf jeden Fall angebracht.
Es ist schon verwunderlich, dass Frau Merkel, unsere Regierungschefin, auf ihrem Parteitag lauthals erklärt: „Mit mir gibt es keine Steuerermäßigungen 2009!". Gleichzeitig aber bestätigen Wirtschaftsforscher, dass ähnliche Steuerermäßigungen in Großbritannien erfolgreich durchgeführt worden sind und die Konjunktur in der Tat angesprungen ist. Der EU-Chef Barroso wirbt eben-falls für Steuersenkungen in den Mitgliedsländern. Und das ist deshalb bemerkenswert, weil gerade die Bundes-regierung jedem Vorschlag der EU, wie zum Bespiel Klimaschutz oder Antidiskriminierung, hinterher rennt und versucht, diese Vorschläge noch durch eigene höhere Angaben zu toppen.
Die Handwerkskammer verfolgte natürlich diese Meldungen schon in der Vergangenheit und ist insbesondere auch in diesen Tagen zu Stellungnahmen für Projekte oder Ideen von Parteien gefragt.
Für uns im Vorstand ist klar, dass wir trotz der Schwierigkeiten, die wir mit unseren Betrieben so manches Mal haben - nicht zurück zum Sozialismus wollen.
Was die Einkommen bestimmter Personengruppen betrifft sei hier gesagt, dass völlige Gleichheit ungerecht ist. Wir brauchen Menschen, die den Weg in mehr Staatsabhängigkeit, mehr Staatsdirigismus, mehr Gleichmacherei als falsch und die Protagonisten dieses Werkes als unbelehrbare Ideologen entlarven. Es geht nämlich in erster Linie bei den Politikern in ihrem Verständnis nicht nur um die wenigen Top-Manager, die Deutschland hat, sondern auch all diejenigen, die ein Jahreseinkommen von über 50.000 Euro haben. Die sollen zur Kasse gebeten werden. Alles ist eine Frage der Definition.
Lassen Sie sich das bitte durch den Kopf gehen und schauen Sie sich Ihre Einkommenssteuer an. Und denken Sie auch daran, dass wir im Handwerk in erster Linie Familienunternehmen haben, das heißt, der Mann oder die Frau als Familienvorstand führt den Handwerksbetrieb.
Aber denken Sie bitte auch daran, dass Sie keine Spezialabteilung mit Rechtsanwälten, Steuerberatern und ähnlichen Mitarbeitern haben. Sie müssen alles allein sein: Sie müssen neue Regelungen kennen, Gesetze, Verordnungen und Richtlinien umsetzen und Sie müssen ihren Mitarbeitern auch wahre Zusammenhänge erklären. Ich denke, dass das die beste Investition in Ihren Betrieben ist.
2009 ist ein Super-Wahljahr mit Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen. Es wäre falsch, aufgrund der Politikmüdigkeit nicht zur Wahl zu gehen, sondern das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen. Das Wichtigste aber ist, überhaupt zur Wahl zu gehen und sich die Wahltage schon jetzt im Terminkalender vorzumerken.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
die Handwerkskammer Potsdam nimmt auch an den Vergleichen, die im Bundesgebiet zwischen den Handwerkskammern vorgenommen werden, teil. Es ist kein leichtes Vorhaben, aber es ist ein Vorhaben, das uns hilft zu sehen, an welcher Stelle wir sind und wo wir unsere „Stellschrauben" haben. Im Ergebnis dieser Arbeit können wir feststellen, dass wir uns mit allem Drum und Dran im Mittelfeld der deutschen Handwerkskammern bewegen.
Wir haben nahezu 100 Mitarbeiter. In größeren Kammern der alten Bundesländer sind vergleichsweise 150 bis 200 Mitarbeiter tätig. Das gilt es zu berücksichtigen. Dort, wo 3 bis 4 Mitarbeiter sich mit dem Internetauftritt „handwerkskammer.de" - einer freiwilligen Zusammenarbeit von 49 der 54 Handwerkskammern - befassen, haben wir einen Mitarbeiter, der diese Dinge bewegen muss. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass wir diese Aufgabenstellung schaffen. Denn nicht in der Masse liegt das Heil der Wirtschaft, sondern in der Konstruktivität und Sparsamkeit. Wir sollten weiterhin bei diesen Grundprinzipien bleiben, obwohl wir zukünftig in der Kammer sicher mit dem vorhandenen Personalstamm nicht auskommen werden.
Viele Unternehmen betreiben heute das Outsourcing. Nur denken Sie bitte daran, dass das, was man selbst macht, immer das Beste ist. Fehler des Outsourcingpartners sind immer Schäden für Ihr Unternehmen. Qualität dürfen Sie nicht voraussetzen. Wert ist das, was Ihr Kunde als Wert definiert.
Unabhängig von diesen Sätzen wird auch Neues auf Sie als Unternehmer zukommen. Immer mehr gehen die Verwalter der öffentlichen Aufträge dazu über, diese lediglich im Internet einzustellen. Bewerbungen Ihrerseits um einen Auftrag müssen mit einer elektronischen Signatur gekennzeichnet sein. Nur wenige kleine Aufträge rund um die Kirchturmspitze Ihres Ortes werden noch mit persönlicher Unterschrift oder sogar per Handschlag geregelt. Soweit so gut. Aber Sie werden bald merken - ich gehe davon aus, dass es in 2 bis 3 Jahren soweit sein wird -, dass nur noch eine elektronische Unterschrift gilt. Das betrifft auch die Handwerkskammer. Lehrverträge, Eintragungen oder Änderungen der Handwerksrolle werden nur noch mit elektronischer Unterschrift möglich sein. Das ist nicht von uns so gewollt, aber es ist in der Bun-desrepublik und in Europa gang und gebe und natürlich ein neuer, höherer Bürokratieaufwand.
Zum Thema „Bürokratieaufwand" sei natürlich erwähnt: Das Handwerk ist generell nicht gegen den Abbau vorhandener Vorschriften, denn oftmals sind diese ja auch Schutzvorschriften vor einem unbotmäßigen Wettbewerb. Wir wollen aber Wettbewerb!
Es sollte bei unseren Reklamationen darum gehen, dass die Verwaltungsangestellten in den Städten und Dörfern von ihren Ermessensspielräumen, die fast überall in den Gesetzen und Verordnungen stehen, auch Gebrauch machen. Die eigentliche Bürokratie liegt in überlangen Wartezeiten bei der Bearbeitung von Anträgen, ungerechten Entscheidungen gegenüber Handwerkern und Bevorteilung von Dritten.
Es sei aber auch gesagt, dass man objektiv bemüht ist, Handwerkern Wege zu erleichtern. Das Stichwort heißt dazu „E-Government". Man erwartet künftig in den Verwaltungen oder in den Behörden, dass die Unternehmen Anträge in elektronischer Form stellen, dass sie ihr Internet nutzen. Sie werden auch über das Internet Antworten auf ihre Anträge bekommen.
Es wird immer unpersönlicher werden. Aber das ist der Zug der Zeit. Wir sind nicht mehr im 18., sondern im 21. Jahrhundert. Wer langfristig am Markt bleiben will, muss sich darauf einstellen.
Abschließend gestatten Sie mir noch ein Wort zu unseren eigenen Mitgliedern: Sie werden es feststellen am Bericht des Hauptgeschäftsführers Dr. König, dass wir immer weniger Eintragungen in die Handwerksrolle verzeichnen können. Und Sie werden auch feststellen, dass wir eine hohe Zahl von handwerksähnlichen Gewerben haben. Über 3.850 Unternehmen arbeiten in diesem Bereich.
Wenn Sie heute nach neuen Innungsmitgliedern suchen, so sind diese natürlich bei den Handwerksrollenunternehmen zu suchen, die früher mal aus den Innungen ausgetreten sind. Sie sind aber auch zu finden im Bereich der handwerksähnlichen Gewerbe. Es ist dem so, dass die Obermeister hier mehr Anstrengungen unternehmen müssen, um Mitglieder persönlich anzusprechen. Es sollte den Mitgliedern natürlich ein attraktives Angebot in der Innungsarbeit gemacht werden. Es reicht nicht aus, wenn ein Spargelessen und ein Eisbeinessen die Höhepunkte der Innungsarbeit sind. Die Industrie kommt auch zu kleineren Innungsveranstaltungen, wenn tatsächlich Zuhörer da sind. Man sollte auch dazu übergehen, Nicht-Innungsmitglieder zu solchen Veranstaltungen einzuladen. Der beste Weg zu neuen Mitgliedern!
Hier sind die Innungsvorstände und natürlich auch Kreishandwerkerschaften gefragt. Sie erfüllen so ihre eigentliche Aufgabe. Nur über diesen Weg werden wir mittelfristig aus der derzeitigen Delle von 17 Prozent Innungsmitgliedschaft kommen. Versuchen Sie es, dann werden Sie auch mehr Innungsmitglieder finden.
Die Handwerkskammer bietet den Innungen in Permanenz kostenlose Vorträge und Leistungen an, die man nur abzurufen braucht.
Auch sind Hersteller gern bereit, zu Innungsveranstaltungen zu kommen, wenn dort brauchbare Informationen vermittelt werden können und auch ausreichende Zuhörer vorhanden sind. Versuchen Sie es!
Mir ist bewusst, dass die hier anwesenden Vollversammlungsmitglieder nicht die richtige Adresse für diese Aufforderung sind, sondern logischerweise die vielen Funktionsträger des Handwerks, die sich diese Aufforderung aber im Internet ansehen können.
Meine Damen und Herren,
ich möchte zum Schluss kommen und Sie an die Jahresabschlussveranstaltung am 16. Dezember in Caputh erinnern. Sie haben alle eine Einladung erhalten. Dort werden wir über das sprechen, wozu hier keine Zeit war. Die Gesundheitsreform hat auf uns alle Auswirkungen. Nicht nur für uns persönlich, sondern auch für unsere Unternehmen. Die Belastungen, die uns hier erwachsen, sind exorbitant und erhöhen den Verwaltungsaufwand. Wir starten also mit keinem guten Vorzeichen in das neue Jahr.
Ich würde mich freuen, viele von Ihnen am 16. Dezember um 18 Uhr in Caputh begrüßen zu können.