1. Parlamentarischer Abend des Handwerkskammertages am 10. April 2008, Präsident Bernd Ebert
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Matthias Platzeck,
sehr geehrter Herr Minister Junghanns,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Alber,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Bretschneider,
sehr geehrte Abgeordnete des Bundestages und des Landtages sowie des Europaparlaments,
liebe Handwerkskolleginnen und Kollegen aus Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam,
meine Damen und Herren, werte Gäste!
Im Namen des Brandenburgischen Handwerkskammertages begrüße ich Sie alle recht herzlich zu unserem 1. Parlamentarischen Abend.
Mein besonderer Willkommensgruß gilt dem Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Herrn Hanns-Eberhard Schleyer, der heute zu uns sprechen wird. Vielen Dank, dass wir in Ihrem Hause zu Gast sein dürfen.
Werte Gäste,
wie Sie sehen: Die Spitzenorganisation des deutschen Handwerks hat ihren Sitz in exponierter Lage im
Zentrum Berlins! Zu Ministerien, Bundestag oder wichtigen Behörden kann man von hier aus zu Fuß gehen. Und - um beim Bilde zu bleiben - Herr Schleyer ist oft unterwegs, um auf oberster Ebene Lobbyarbeit für das Handwerk zu betreiben. Dafür ein herzliches Dankeschön! Über die dabei erzielten Erfolge oder auch Misserfolge wird er dann selbst sprechen.
Meine Damen und Herren,
Herr Ministerpräsident!
Uns Handwerker interessiert die Entwicklung Brandenburgs und natürlich auch Deutschlands.
Unlängst bezeichnete die Kanzlerin Frau Merkel das Handwerk als 'Deutschlands Mitte'. Wir sind aktive Steuerzahler, die die Gesellschaft mittragen.
Wir gehören zu den Millionen der Mittelschicht, die aber immer mehr - so ist unsere Gefühlslage - von dieser Gesellschaft nicht mitgetragen werden.
Schlichte Zeitungsleser verwechseln uns mit Managern oder Steuerflüchtlingen nach Liechtenstein. Zu wenig wird gesehen, dass wir tatsächlich mit persönlichem Risiko Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen und erhalten. Wir können und wollen nicht ins Ausland abwandern wie Künstler oder Sportler, die angeblich auch aus der "Mittelschicht" sind, es oft tun.
Wir haben lebenslänglich Deutschland. Wir sind hier zu Hause und wir wollen auch hier bleiben. Wir erwarten von der Politik in diesem föderalen System nicht nur Rahmenbedingungen zum Arbeiten, sondern auch gesellschaftliche Anerkennung und Achtung für unseren Berufsstand.
Zugegeben: Handwerker reden und schimpfen oft über DIE Politiker und das, was sie wieder auf Bundes- oder Landesebene beschlossen haben. Ich erinnere nur an die Novelle der Handwerksordnung aus dem Jahre 2004 - der konjunkturelle Aufschwung der letzten Jahre resultiert gewiss nicht aus dieser Gesetzesänderung!
Die Zahl der Existenzgründer im Handwerk ist rückläufig - TROTZ der von Politikern im Vorfeld vielgepriesenen Neuregelung! Wir sagen nach wie vor: Die Handwerksordnung bzw. die Meisterpflicht verhindern keine Betriebsgründungen.
486 neue Meister wurden allein im letzten Jahr im Land Brandenburg ausgebildet. Sie haben das Potenzial als Unternehmer! Nicht jedoch die unausgebildeten Fliesenleger, die den Markt überschwemmen und zu Dumpingpreisen arbeiten.
Ob im Gegensatz Politiker oft ÜBER Handwerker reden, weiß ich nicht. Was ich weiß, beide Gruppen reden zu selten wirklich miteinander!
Ich behaupte: Bei zu vielen Gesetzesregelungen wird zu wenig an die Klein- und Kleinstunternehmen gedacht, die jedoch die Masse unserer Betriebe ausmachen.
Und das gilt durchaus nicht nur für Regelungen aus Brüssel, sondern auch für Gesetze aus Brandenburg und Berlin.
Ich erinnere nur an die aktuellen Debatten zur Erbschaftssteuerreform oder nehmen wir die unendliche Geschichte des Forderungssicherungsgesetzes.
Der Handwerker verliert den Glauben. Was die vorherige Bundesregierung nicht hinbekommen hat, scheint auch die jetzige nicht in den Griff zu bekommen.
Mit Sorge sehen wir auch die aktuelle Landesplanung in Brandenburg. Das Konzept der zentralen Orte wird von vielen Kommunalpolitikern abgelehnt und von den Bürgern gefürchtet und das ist nicht nur ein emotionelles Problem, wie Infrastrukturminister Dellmann meint!
Auch das Handwerk befürchtet, in der Weite des Landes abgehängt zu werden. Wenn immer mehr Kleinstädte an Funktion verlieren, werden sie zu Schlafstädten, in denen man keine Bäcker, Fleischer, Friseure oder Tischler - erst recht nicht als Existenzgründer - braucht. Wer von Laufkundschaft lebt, wird das ebenso zu spüren bekommen wie moderne Ausbildungsbetriebe, die kein Azubi mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann.
Meine Damen und Herren Abgeordnete,
Sie merken schon - es gibt nicht nur ein heißes Eisen, das wir gemeinsam anpacken müssen. Und der erste Schritt zum Ziel ist das Gespräch von Parlamentariern mit Handwerkern. Dafür sind wir heute hier zusammengekommen. Wir wollen die bestehenden Kontakte vertiefen und die vorhandenen Netze enger knüpfen.
Wir sehen Sie, die gewählten Volksvertreter, gern in unseren Betrieben, wenn Sie wirklich wissen wollen,
wo uns der Schuh drückt.
Für die Medien inszenierte Show-Besuche, wie sie gerade in Wahlkampfzeiten modern sind, helfen uns jedoch wenig bei der Lösung unserer Probleme.
Und wir Handwerker sind auch nicht begeistert von der erneuten Diskussion um die sogenannten "Kopfnoten" auf den Zeugnissen der Schüler. Für uns als Ausbildungsbetriebe sind die Bewertungen des Arbeits- und Sozialverhaltens ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl unserer künftigen Lehrlinge. Dafür haben wir uns lange Jahre stark gemacht! Das Rad darf jetzt nicht wieder zurückgedreht werden!
Liebe Handwerkskollegen hier im Saal,
so viele hochrangige Politiker treffen Sie in Ihrem Heimatort wohl kaum auf einmal. Nutzen Sie die Chance, Ihre Fragen an die Minister und Abgeordneten zu stellen.
"Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun."
Dieses Zitat von Moliere haben wir ganz bewusst in unsere Einladung geschrieben! Sage heute zum Schluss keiner, er hätte nicht die Gelegenheit gehabt, sein Thema zur Sprache zu bringen.
Werte Gäste, liebe Handwerkskollegen,
"Handwerk ist einzigartig" - mit diesem neuen Slogan ist das Handwerk vor wenigen Wochen auf der Internationalen Handwerksmesse in München selbstbewusst in die Öffentlichkeit getreten.
Wir haben als Berufsstand allen Grund stolz zu sein, wir müssen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen. Handwerk ist modern, "Meister wissen, wie's geht!"
Typisch für den Handwerker des 21. Jahrhunderts ist nicht der traditionelle Korbmacher, sondern der Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik, der seine Kunden zur Energieeffizienz berät und entsprechende Solar- und Heizungstechnik planen und installieren kann.
Bevor Ministerpräsident Matthias Platzeck zu uns sprechen wird, gestatten sie mir, noch 4 Zahlen zu nennen, die zeigen, welche Dimension Handwerk in Brandenburg hat:
- 37.990 Handwerksunternehmen mit
- 124.000 Beschäftigten und
- 13.469 Lehrlingen sowie
- 6,39 Milliarden Bruttoinlandsprodukt
Das ist das brandenburgische Handwerk in Zahlen. Die übrigens auf der Rückseite Ihrer Einladungskarte stehen, damit Sie sie nicht so schnell vergessen!
Um diese Größenordnung geht es, wenn wir vom Handwerk zwischen Uckermark und Spree-Neiße reden.
Handwerk ist mehr, als mancher denkt.
Jetzt übergebe ich das Wort an unseren Ministerpräsidenten Herrn Matthias Platzeck. Danach wird Generalsekretär Eberhard Schleyer sprechen. Nach seinem Vortrag wünsche ich Ihnen ein angenehmes "get together" und viele interessante Gespräche.