Rede zur Vollversammlung am 11. Juni 2007, Präsident Bernd Ebert
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen, sehr geehrter Herr Ehrenpräsident Klaus Windeck,
es ist heute die erste Vollversammlung, die ich zu leiten habe.
Am 27. Februar dieses Jahres hatten wir hier in diesem Raum den Abschluss der Wahlen zu den Gremien der Handwerkskammer Potsdam. Sie alle können sich sicher noch an dieses Datum erinnern und Sie können mir glauben: Seit diesem Zeitpunkt hat sich mein Terminkalender erheblich gefüllt. Aber das ist normal und das muss auch so sein.
Die Handwerkskammer ist schließlich eine Organisation, die seit mehr als 17 Jahren fest auf den Füßen steht und die täglichen Geschäfte, auch das Auf und Ab in der Bundes- und Landespolitik, gut kennt und an vielen Stellen eine wesentliche Rolle spielt. Sie arbeitet nach den Grundsätzen der Handwerksordnung und ist ein geachteter Partner. Nicht zuletzt ist das auch ein Verdienst meines Vorgängers, aber nach den Mühen des Anfangs gilt es jetzt, Kontinuität zu wahren und die Arbeit der Kammer erfolgreich weiterzuführen.
Jedes Mitglied unserer Handwerkskammer ist durch unsere Zeitung, das Internet, den Geschäftsbericht und auch durch die Mitarbeit in den Kreishandwerkerschaften und Innungen über die Arbeit der Handwerkskammer informiert. Wer etwas nicht weiß oder etwas wissen will, kann anrufen oder schreiben und so mit den Mitarbeitern in Kontakt kommen. Nicht zuletzt deshalb möchte ich mich in meiner ersten Rede kurz fassen und nur drei Probleme, die mir aufgefallen oder die mir berichtet worden sind, näher beleuchten.
Zum Ersten: Im Land Brandenburg arbeiten drei Handwerkskammern. Bislang war die Kammer Potsdam hier die führende Kammer und fungierte im Handwerkskammertag als Sprecher für die Handwerkswirtschaft des Landes Brandenburg. Verdichtend melden sich aus anderen Kammerbezirken Stimmen, dass eine Veränderung angestrebt wird, trotz der seit 2002 bestehenden Satzung. Sogar von einer Außenstelle im Kammerbezirk Cottbus ist die Rede. Das ist Handwerkspolitik!
Seien Sie gewiss, dass ich mich für die Kontinuität der bestehenden Strukturen einsetzen werde, denn das ist das, was die Politik von uns erwartet. Es geht darum, im Zuge des Bürokratieabbaus nicht mehr Bürokratien zu schaffen, sondern Bürokratien abzubauen. Kontinuität der Verwaltung sollte jedoch kein Fremdwort sein, sondern Bestandteil unserer täglichen Arbeit.
Zur Pflege der Zusammenarbeit zwischen den Handwerkskammern, um ein einheitliches Bild abzugeben, gehört vieles. Wichtig ist, dass wir zusammenarbeiten und gemeinsam unsere Probleme an der richtigen Stelle vortragen.
Ähnlich gestaltet sich auch die neu durch die Satzung der Handwerkskammer geschaffene Zusammenarbeit mit den Kreishandwerkerschaften.
Über vorhandene finanzielle Probleme dieser Organisationen und der Innungen darf man nicht hinwegsehen, jedoch gilt es auch hier, Finanzdisziplin zu halten und nach Möglichkeiten zu suchen, zum gegenseitigen Nutzen, aber auch unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen gegebenenfalls künftig neue Formen der Zusammenarbeit zu finden. Ich denke, dass das jedoch seine Zeit braucht und nichts überstürzt werden darf. Wir werden dazu weiter mit den Kreishandwerkerschaften beraten.
Ich bin überzeugt davon, dass es für unsere Mitgliedsbetriebe gut ist, dass wir weiter unsere internationalen Kontakte halten und auszubauen versuchen. Viele, die unser Gartenfest besucht haben, werden festgestellt haben, dass wir eine neue Vereinbarung mit der Berufsschule in Kapstadt geschlossen haben, dass wir durch Gespräche die Weiterführung der Kontakte mit der Handwerkskammer in Poznan führen. Gleiches gilt auch für unsere Kontakte nach Russland.
In allen Einrichtungen unserer Partner waren Handwerker aus unserem Kammerbezirk zu Gast.
Wir pflegen einen Austausch auf Gegenseitigkeit mit der Berufsschule in Kapstadt und mittlerweile waren über 500 Handwerker unseres Kammerbezirkes in Polen und Russland, haben sich dort informiert und manche auch Partner zur Zusammenarbeit gefunden. Durch unserer Verbindungen und Kontakte waren wir unseren Firmen auch behilflich, dort Niederlassungen zu gründen. Wir werden diese Art der Förderung unserer Unternehmen auf jeden Fall weiterführen.
Zum Zweiten: Ich war kürzlich erst zu einem Besuch in unserem Zentrum für Gewerbeförderung in Götz. Mir gefallen die Initiativen unserer Mitarbeiter hier vor Ort.
Das Zentrum für Gewerbeförderung ist die größte Investition, die die Handwerkskammer seit 1990 durchgeführt hat.
Auf die Information unserer Kfz-Handwerker wurde reagiert. Mittlerweile haben wir 7 Kfz-Werkstätten, die die immer größer werdende Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz im Kfz-Handwerk auffangen.
Wir haben seinerzeit besprochen, die überbetriebliche Lehrunterweisung so zu organisieren, dass die Lehrlinge im 4. Lehrjahr nicht mehr zur ÜLU herangezogen werden.
Nur ein Problem besteht nach wie vor: Nicht nur wir, auch unserer Mitarbeiter werden älter und damit steigt auch der Krankenstand. Trotzdem muss ich anerkennen, dass die vielen Bemühungen, auch mit Honorarkräften zu arbeiten, letztlich ihre Früchte tragen.
Wir erhalten unsere Werkstätten, wir schaffen neue, moderne Geräte an und wir bleiben mit der Technik durch Umbauten am Ball.
Noch ein Wort zu unserem Zentrum für Gewerbeförderung:
Wir mussten feststellen, dass Förderprogramme für unser Handwerk immer mehr mit Mitteln aus der Europäischen Union realisiert werden müssen.
Im Unterschied zu den Jahren von 1990 bis 2000 wird jetzt – natürlich auch rückwirkend! – das Finanzverfahren der Kammer überprüft. Ein normaler Vorgang, wenn nicht mittlerweile die Prüfstelle mit Personal aufgerüstet worden wäre.
Für uns bedeutet das, dass Vorgänge, die Jahre zurückliegen, nunmehr belegweise überprüft werden. Das Versenden von 10 bis 50 Leitz-Ordnern für 1 Lehrgang ist damit fast Tagesgeschäft. Nur wir haben unser Personal nicht erweitert. Natürlich hat die Prüforgie auch eine erhebliche Mehrbelastung unserer Mitarbeiter verursacht. Kritisiert werden muss, dass unsere Geldgeber nicht zeitnah prüfen. So wird das alles zur Tortour.
Es versteht sich von selbst, dass jetzt unsere Zuwendungen und die Richtlinien der Geldgeber noch genauer von uns geprüft werden. Auch die zielgenaue Einstellung neuer Mitarbeiter wird sich perspektivisch als notwendig erweisen.
Wohl gemerkt: Alle Zuwendungen, die wir erhalten, sind für die Mitglieder oder künftige Mitglieder gedacht und werden so verwendet. Es erfolgen keine Zuwendungen für die Handwerkskammer!
Zum Dritten: Sie haben sicher bemerkt, dass in den letzten Wochen viele Baumaßnahmen durchgeführt worden sind. Vieles geschieht auch aus dem Druck heraus, dass etwas passieren muss. Ich denke da an Umbaumaßnahmen in unserem Haus in Caputh, ich denke an größere Investitionsmaßnahmen, die hier in Götz noch anstehen und ich denke an die Malerarbeiten, die zurzeit am Haus des Handwerks in Potsdam durchgeführt werden. Leider ist es manchmal so, dass sich Schäden erst dann herausstellen, wenn Häuser eingerüstet sind, zum Beispiel dass der Putz am Haus des Handwerks an mehr als den angedachten Stellen hohl ist und abgeschlagen werden muss. Der Zement aus den 50er Jahren war wohl doch nicht so gut gewesen wie seinerzeit gedacht.
Und so gibt es vieles, was wir aus eigenen Mitteln finanzieren müssen. Dafür gibt es leider keine Fördermittel des Staates.
Auch unsere Maßnahmen, die wir im Haus eingeführt haben, wie zum Beispiel ein völlig neues Druckersystem, das in der Anschaffung in der Leasingrate sicher anfangs teuer ist, sich über Jahre hinweg aber rechnen wird, müssen ohne staatliche Förderung realisiert werden.
Wir sind Teilnehmer an einer Initiative „handwerkskammer.de", die von den süddeutschen Kammern ins Leben gerufen wurde.
Wenn Sie uns im Internet finden wollen, geben Sie einfach „www.handwerkskammer.de" ein und Sie werden auch unsere Webseite finden, genauso, wie Sie es bisher unter „www.hwk-potsdam.de" finden; nur mit dem Unterschied, dass per 1. Juli 2007 die Inhalte und Rubriken völlig überarbeitet wurden.
Ich bin überzeugt davon, dass unser Internetauftritt solide und sicher ist und viele Informationen bietet. Wir merken es immer wieder bei Pressekonferenzen oder Gesprächen mit Handwerkern, dass hier tatsächlich auf diese Basis zugriffen wird.
Meine herzliche Bitte ist, dass Sie immer wieder darauf hinweisen, dass hier ständig aktuelle Informationen zu finden sind und man den besten Überblick über die Arbeit der Handwerkskammer Potsdam bekommen kann.
Noch ein Wort zu unserem Magazin, das monatlich jedes Mitglied erhalten muss.
Die Landesseiten werden wir mit den zuständigen Mitarbeitern des Verlages so verändern, dass wir auch direkte Nachrichten aus dem Landtag vermelden. Ich denke, dass derartige Mitteilungen auch für unsere Arbeit nützlich und wichtig sind.
Gestatten Sie mir bitte noch ein Wort zum zukünftigen Verhältnis der Länder Berlin und Brandenburg.
In Ihre Postmappe für die Vollversammlung haben wir einige Nachrichten der letzten Tage gelegt. Hier wird direkt durch den Ministerpräsidenten in klarer Form die Haltung der Landesregierung zu diesem Thema angesprochen. Ich weiß, dass es hierzu auch unterschiedliche Meinungen im Handwerk gibt. Jeder wird irgendwann in 10 oder 15 Jahren selbst abstimmen müssen. Doch diejenigen, die heute schon in Berlin arbeiten, werden kaum Unterschiede in der Verwaltungsbürokratie bemerken.
Übrigens hat unser Landtag kürzlich durch eine Änderung der Landeshaushaltsordnung beschlossen, dass freie Vergaben im Bauwesen bis 20.000 Euro möglich sind. Beschränkte Ausschreibungen können bis 200.000 Euro vorgenommen werden.
An uns Handwerkern liegt es, diese Regelung in den Gemeinden auch durchzusetzen. Eine typische Aufgabe für die Lobbyfähigkeit und die Imagepflege der Kreishandwerkerschaften.
Abschließend noch ein Wort zum „Tag des offenen Unternehmens" am 16. Mai.
Erfreulich viele Handwerker hatten an diesem Sonnabend ihre Betriebe zur Besichtigung geöffnet. Auch das gehört zum Image des Handwerks. Im nächsten Jahr wird dieser Tag wiederholt werden.
Ich hoffe, dass dieses Ereignis von noch mehr Mitgliedern des Berufsstandes genutzt wird. Mehr als hier kann für das Image des eigenen Unternehmens kaum geworben werden. Bitte geben Sie diese Information weiter.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.