Positive Grundstimmung trübt sich ein
23.10.2008
Die Grundstimmung der Betriebe im Handwerkskammerbezirk Potsdam ist nicht mehr so positiv wie noch vor einem Jahr, doch weiterhin bewertet die Mehrzahl der Unternehmen (76 Prozent) die aktuelle Geschäftslage mit gut und befriedigend. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum ist das ein Minus von 3,8 Prozentpunkten. Seit dem Herbst 2007 ist ein leichter, aber stetiger Abwärtstrend zu beobachten. Das ergab die Herbstkonjunkturumfrage der Potsdamer Kammer.
Trotz Beschäftigungszuwachs auch im Land Brandenburg kommt der private Konsum nicht in Schwung. Die gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise führten dazu, dass die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben nicht erhöht haben. Diese Entwicklung spiegelt sich in allen konsumorientierten Handwerken wider.
Von einer verschlechterten Auftragslage im 3. Quartal 2008 sprechen generell 30 Prozent der befragten Handwerker, das sind 4 Prozent mehr als im Vergleichsquartal 2007. Allerdings schwanken die Werte zwischen den einzelnen Branchen erheblich. Die größten Auftragseinbußen gab es bei den Gesundheitshandwerken (60 Prozent) und im Nahrungsmittelhandwerk bzw. im Kfz-Gewerbe, wo 48 bzw. 45 Prozent der Befragten von weniger Aufträgen berichten.
Das bestätigt die Einschätzung des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), wonach der private Konsum 2008 um 0,2 Prozent zurückgehen wird.
Der Binnenmarkt braucht dringend Wachstumsimpulse. Das Handwerk fordert, den bewährten Steuerbonus auf handwerkliche Arbeitsleistungen auszuweiten und zu vereinfachen. Die von der Koalition geplanten Veränderungen bei der steuerlichen Absetzbarkeit „haushaltsnaher Dienstleistungen" müssen ganz klar auch alle Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten durch Handwerksbetriebe umfassen. Wenn private Haushalte als Auftraggeber künftig einen 20-prozentigen Bonus bei Ausgaben von maximal 20.000 EUR erhalten, dann ist das ein Wachstumssignal und zugleich ein Instrument gegen Schwarzarbeit. Zugleich schlägt das Handwerk eine steuerliche „Energiesparprämie "von 25 Prozent bei maximal 20.000 EUR Investitionssumme vor, wenn Privathaushalte in die energetische Sanierung ihres Hauses oder ihrer Wohnung investieren.
72 Prozent der Betriebe hatten im dritten Quartal den Personalbestand halten können. Zusätzliche Mitarbeiter stellten 17 Prozent ein. Alles in allem stieg der Personalbestand aber nur um knapp 1 Prozent, im Vorjahr waren es noch 2,5.
Insgesamt sind in den 16.600 Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer Potsdam ca. 71.000 Mitarbeiter tätig, das sind 7 Prozent aller Erwerbstätigen des Landes Brandenburg. Zunehmend fehlt es dem Handwerk an geeigneten Bewerbern für freie Lehrstellen, so dass per 1. Oktober 2008 rd. 200 neue Lehrverträge weniger vorliegen als 2007, aber zugleich noch 250 freie Lehrstellen in der kammereigenen Internet-Lehrstellenbörse angeboten werden.
Gegenüber dem 2. Quartal geben 34 Prozent der Handwerker gesunkene Umsätze an, aber nur 20 Prozent konnten gestiegene Umsätze verbuchen. Betroffen sind wiederum alle Handwerke, besonders stark aber die konsumorientierten. So berichteten bei den Gesundheitshandwerken 75 Prozent der Befragten und bei den Kraftfahrzeug- bzw. Nahrungsmittelhandwerken 52 Prozent von Umsatzeinbußen.
Die Prognosen sind pessimistischer als im Vorjahr:
Nur noch 11 Prozent (2007: 21 Prozent) der Befragten erwarten in den kommenden Monaten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage. Die meisten (62 Prozent) glauben, alles werde auf dem jetzigen Niveau bleiben. Mit Verschlechterungen rechnen 27 Prozent; dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass zum Zeitpunkt der Befragung die vollen Ausmaße der Finanzkrise noch nicht bekannt waren und damit auch nicht die Befürchtungen einer weltweiten Rezession.
Mehr als 80 Prozent der Befragten beabsichtigen ihr Personal zu halten, 14 Prozent planen Entlassungen.
Auftrags- bzw. Umsatzeinbußen erwarten ca. 30 Prozent der Betriebe (2007: ca. 20 Prozent).
Das Handwerk erwartet auch in den kommenden Monaten weiter steigende Einkaufspreise bei Material, Rohstoffen und Energie, die sich jedoch nur schwer an die Kunden weitergeben lassen. 74 Prozent rechnen mit steigenden Einkaufs-preisen.
Die Investitionstätigkeit wird nachlassen, zumal zu befürchten ist, dass es durch die Finanzkrise künftig für kleine und mittlere Betriebe schwieriger und vor allem teurer wird, Kredite zu bekommen.