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Schere geht immer weiter auseinander

01.10.2008 

"Die aktuelle Entwicklung auf dem handwerklichen Lehrstellenmarkt macht uns ernsthaft Sorgen." Mit diesen Worten charakterisiert die Leiterin der Abteilung Berufsbildung der Handwerkskammer Potsdam, Eva Gatzky, die jüngsten Ausbildungszahlen aus dem Kammerbezirk Potsdam. Zum 1. Oktober gab es 1.479 neue Ausbildungsverträge, das sind 209 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Nur in den Kreisen Potsdam-Mittelmark (+49) und Teltow-Fläming (+39) gibt es mehr neue betriebliche Ausbildungsverträge im Handwerk als im Oktober 2007. In allen anderen Kreisen und auch in den Städten Brandenburg und Potsdam wurden weniger Lehrverträge abgeschlossen.

Gleichzeitig sind noch 252 freie Lehrstellen in der Internet-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer zu finden. "Statt sich jetzt im Herbst zu schließen, geht die Schere zwischen unbesetzten Ausbildungsplätzen und neu abgeschlossenen Lehrverträgen immer weiter auseinander", so Eva Gatzky. Der Trend geht quer durch alle Berufe, selbst Kfz-Mechatroniker-, Friseur- oder Elektroniker-Lehrstellen bleiben leer, weil geeignete Bewerber fehlen.

Rein rechnerisch theoretisch könnte die Lücke mühelos geschlossen werden, doch wer Lehrling werden will, muss auch ein gewisses Maß an Voraussetzungen mitbringen. Einer Bewerberin als Bürokauffrau mit Deutschnote 5 oder einem Bewerber als Elektroniker mit mangelhaften Physik- und Mathekenntnissen fehlen die Basiskenntnisse für eine anspruchsvolle Berufsausbildung.

Wer als Schulabgänger erst jetzt bei der Bewerbungstour gemerkt hat, dass seine Zensuren keine Empfehlung sind, sollte die Möglichkeiten der Einstiegsqualifizie-rung nutzen, um vielleicht über diesen Umweg zum Traumberuf zu kommen.

Die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher, kurz EQJ genannt, bietet die Möglichkeit, finanziell unterstützt von der örtlichen Arbeitsagentur, Beruf und Betrieb kennenzulernen und den Betriebsinhaber von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen, die nicht aus Zensuren ablesbar sind. Diesen "Türöffner zur Berufsausbildung" mit HwK-Zertifikat nutzen 137 Jugendliche. Erfahrungsgemäß ergeben sich aus EQJ in mehr als 30 Prozent der Fälle reguläre Ausbildungsverhältnisse.
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