Handwerker bleiben auf Kraftstoffkosten sitzen
Potsdam, 9. Juli 2008
Die enorm gestiegenen Kosten für Kraftstoffe belasten die Handwerksbetriebe in zunehmendem Maße und bringen die Unternehmen in Bedrängnis, das ergab eine aktuelle Telefonumfrage der Handwerkskammer Potsdam unter Betrieben des Bauhandwerks.
Bei 70 Prozent der befragten Maler, Maurer, Dachdecker, Installateure und Elektriker lag der Kraftstoff-Kostenanstieg für ihre Transporter und Lkw im Vergleich zum Vorjahr bei 20 bis 30 Prozent. Bei weiteren 22 Prozent der Betriebe erhöhten sich die Ausgaben für Benzin oder Diesel sogar bis zu 50 Prozent.
Das Problem: Mehr als die Hälfte der Betriebe (51 Prozent) sehen sich nicht in der Lage, diese gestiegenen Kosten auf ihre Preise aufzuschlagen und an ihre Kunden weiterzugeben. Der harte Wettbewerb lässt ihnen keinen Spielraum, denn auch die Handwerkskunden sind von den steigenden Energie- und Kraftstoffpreisen betroffen, suchen nach Sparmöglichkeiten und versuchen, die meist schon knapp kalkulierten Handwerkerpreise zu drücken. Wer als Handwerker Angebote auf Basis der vor zwei oder drei Monaten aktuellen Preise abgegeben hat, hat heute kaum eine Chance, die inzwischen gestiegenen Spritkosten zu verrechnen.
Die Unternehmen bleiben also auf den Kosten sitzen, was letztendlich ihre Ertragslage verschlechtert und die ohnehin dünne Eigenkapitaldecke weiter verkleinert. Ein Teufelskreis, aus dem die Handwerkskammer Potsdam nur einen Ausweg sieht: Der Staat muss die Mineralölsteuern senken! Kammerpräsident Bernd Ebert : "Die Weltmarktpreise für Rohöl können wir in Deutschland nicht verändern, wohl aber die Steuern auf Benzin und Diesel, um die Unternehmen und Bürger zu entlasten."
Konsequenzen
Die Konsequenzen, die Handwerker aus den explosionsartig gestiegenen Kraftstoffpreisen gezogen haben, sind vielfältig. 32 Prozent der Befragten haben sich bereits verbrauchsärmere Fahrzeuge zugelegt bzw. werden das in nächster Zeit tun, um Spritkosten zu sparen. Sieben Prozent haben Betriebsfahrzeuge abgemeldet bzw. verkaufen müssen; 13 Prozent rüsteten ihre Fahrzeuge auf Erdgas um oder haben entsprechende Pläne.
21 Prozent der Befragten gaben bei der Umfrage an, nur noch im Umkreis von bis zu 50 km tätig zu werden, wobei sich das nur Kleinstbetriebe, z. B. Maler als Einzelunternehmer leisten können. Größere Handwerksbetriebe, zumal aus strukturschwachen Regionen, müssen längere Fahrten nach Berlin oder Hamburg in Kauf nehmen, weil sie gerade in diesen Ballungsräumen Aufträge bekommen.
Eine weitere erschreckende Folge der gestiegenen Kraftstoffkosten sind Entlassungen von Mitarbeitern, die bereits 8 Prozent der befragten Handwerksunternehmer praktiziert haben.
BasisBefragt wurden von der Handwerkskammer Potsdam 110 Betriebe des Bauhandwerks, von denen 30 Prozent 1 oder 2 Betriebsfahrzeuge besitzen; 40 Prozent 3 bis 5; 16 Prozent bis 10 und 14 Prozent mehr als 10 Fahrzeuge.